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Brunner Helwig: Rattengift, 2006 PDF Drucken E-Mail
In Helwig Brunners Prosadebüt "Rattengift" finden sich sechs

ganz unterschiedliche Erzählungen, die in ihrer Gesamtkomposition die Wendigkeit des Autors, der sich bisher hauptsächlich mit lyrischen Werken beschäftigt hat, auch auf dem Gebiet der Prosa zeigen. Doch egal, ob wir mit "Die Datei" in einen Text eintauchen, der sich wie ein poetisch-philosophisches Zwiegespräch mit Sprache und Wirklichkeit selbst liest, mit "Scherenschnitte" eine Kriminalgeschichte, die bereits 2003 mit dem Salzburger erostepost-Literaturpreis ausgezeichnet wurde, oder mit der Titelerzählung "Rattengift" eine fiktive Autobiographie in Händen halten, lassen sich in den unterschiedlichen Texten, die zwischen 1994 und 2003 entstanden sind, gewisse Parallelen finden. Sprachreflexion, Begegnung und Tod sind die Motive, die sich über die Grenzen der einzelnen Erzählungen hinweg durch das Buch ziehen. Helwig Brunner stellt uns eine Reihe von Menschen vor, die alle "etwas anders" sind; die von ihren Einstellungen, Lebensumständen oder Erfahrungen in eine Außenseiterposition gedrängt werden und die, jeder auf seine ganz persönliche Art, versuchen dem Leben doch noch ein Stück vom Glück abzuringen oder ein kleines Stück der Partitur, die auch ohne ihr Zutun abzulaufen scheint, im Verborgenen umzukomponieren - in "Rattengift" etwa die eine oder andere Dissonanz in den träumerischen-schalen Wohlklang zu bringen. …Etwas von Helwig Brunner selbst lässt sich nicht nur im Schauplatz so mancher Geschichte entdecken - so spielt etwa "Rattengift" in seiner Heimatstadt Graz - sondern auch in den Themen von "Das Schlangenei" und "Die Datei": Georg Menzel, dessen Name an den Biologen Gregor Mendel erinnert, sowie sein Betätigungsfeld und der Hintergrund der Tagung erinnern an Brunners eigenes Biologiestudium. Seine zweite Studienrichtung, Musik, finden wir in "Die Datei" wieder. Jede einzelne der Erzählungen überrascht den Leser mit innovativen Ideen und ungewöhnlichen Protagonisten und lässt ihn die Welt einige Seiten lang aus einem neuen, alternativen Blickwinkel sehen. Auf leichtfüßige Art stimmt der Erzählband nachdenklich und reißt fremde Situationen und Stimmungen an, manchmal in heiterem Pessimismus, aber nie, ohne zumindest die Möglichkeit eines Auswegs anzudeuten. Nach diesem gelungenen Erzähl-Debüt darf man mit Spannung das nächste Prosawerk Helwig Brunners erwarten.
Christine Schranz
28. Februar 2006
www.literaturhaus.at


In Helwig Brunners Prosadebüt "Rattengift" finden sich sechs ganz unterschiedliche Erzählungen, die in ihrer Gesamtkomposition die Wendigkeit des Autors, der sich bisher hauptsächlich mit lyrischen Werken beschäftigt hat, auch auf dem Gebiet der Prosa zeigen. Doch egal, ob wir mit "Die Datei" in einen Text eintauchen, der sich wie ein poetisch-philosophisches Zwiegespräch mit Sprache und Wirklichkeit selbst liest, mit "Scherenschnitte" eine Kriminalgeschichte, oder mit der Titelerzählung "Rattengift" eine fiktive Autobiographie in Händen halten, lassen sich in den unterschiedlichen Texten, die zwischen 1994 und 2003 entstanden sind, gewisse Parallelen finden. Sprachreflexion, Begegnung und Tod sind die Motive, die sich über die Grenzen der einzelnen Erzählungen hinweg durch das Buch ziehen. Helwig Brunner stellt uns eine Reihe von Menschen vor, die alle "etwas anders" sind; die von ihren Einstellungen, Lebensumständen oder Erfahrungen in eine Außenseiterposition gedrängt werden und die, jeder auf seine ganz persönliche Art, versuchen dem Leben doch noch ein Stück vom Glück abzuringen oder ein kleines Stück der Partitur, die auch ohne ihr Zutun abzulaufen scheint, im Verborgenen umzukomponieren - in "Rattengift" etwa die eine oder andere Dissonanz in den träumerischen-schalen Wohlklang zu bringen. …Jede einzelne der Erzählungen überrascht den Leser mit innovativen Ideen und ungewöhnlichen Protagonisten und lässt ihn die Welt einige Seiten lang aus einem neuen, alternativen Blickwinkel sehen. Auf leichtfüßige Art stimmt der Erzählband nachdenklich und reißt fremde Situationen und Stimmungen an, manchmal in heiterem Pessimismus, aber nie, ohne zumindest die Möglichkeit eines Auswegs anzudeuten. Nach diesem gelungenen Erzähl-Debüt darf man mit Spannung das nächste Prosawerk Helwig Brunners erwarten.
Christine Schranz
Wien
Literaturhaus

 
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