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Freitag, 18 Mai 2012
 
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Hatscherian Garabed, Dora Sakayan (Hrsg.): Smyrna 1922, 2006 PDF Drucken E-Mail
  
MIÖG 116,2008
 

Aufzeichnungen eines Betroffenen über die Tragödie von Smyrna von 1922. (BI)
Smyrna (heute Izmir) gehörte zu den christlichen Zentren des Osmanenreiches. Seine Bevölkerung bestand zu einem großen Teil aus Griechen und Armeniern, unter ihnen befand sich auch der angesehene Arzt Dr. Hatscherian. Im Jahre 1922 zerstörten Truppen Kemal Atatürks die Stadt und richteten unter ihrer christlichen Bevölkerung unvorstellbare Massaker an. Hatscherian gelang es, mit wenigen anderen nach Griechenland auszureisen. Das Tagebuch, das er in der Zeitspanne vom 28. August 1922 bis zum 7. April 1923 niederschrieb, zählt zu den wichtigsten und erschütterndsten Zeugnissen des zweiten Genozids der Türken an ihren christlichen Landsleuten. Wie schon die Ereignisse von 1915/17 hat die Türkei auch diese bis heute nicht aufgearbeitet.
Eine ausführliche Einleitung stellt den Text, der hier erstmals in deutscher Sprache erscheint, in den größeren historischen Zusammenhang und wirft Fragen auf, die auch 80 Jahre danach, im Blick auf spätere, ähnliche Ereignisse sowie für das Bemühen, aus der Geschichte zu lernen, aktuell sind: Die Rolle, die Großmächte ("Schutzmächte") bei Auseinandersetzungen wirklich spielen; die Haltung und der Einfluss der Medien; der Schutz von Minderheiten; die Wertschätzung einer Religion; die Achtung von kulturellen und sozialen Werten; die Einstellung zu den Mitmenschen. Für wache Leserinnen und Leser aller Bibliotheken.
Bibliotheksnachrichten
Hanns Sauter

 


Wie einst Äneas mit dem Vater aus dem brennenden Troja, so flüchtete Garabed Hatscherian mit einer seiner Töchter auf dem Arm 1922 vor den nationalistischen Truppen Mustafa Kemals aus dem eroberten Smyrna. Es ist dieses prototypische Bild des gewaltsam Vertriebenen, des Flüchtlings, das sich beim Lesen des nachträglich verfassten „Tagebuches“ des armenischen Arztes einprägt, der das einstige „Paris des Orients“ auf einem amerikanischen Schiff verließ; und in dieser millionenfach wiederholten menschlichen Tragödie liegt auch das Berührende dieser wenige Wochen nach der Flucht zusammengestellten Aufzeichnungen. Darin liegt letztlich auch ihre politische Dimension. …Umso erschütternder und in seiner Eindeutigkeit auch neu ist ein Moment des „Tagebuches“. Ähnlich wie man es im Tagebuch des jüdischen …Historikers Willy Cohn nachlesen kann, hinderte auch den in den Balkankriegen hochdekorierten Hatscherian das Vertrauen in die Zivilisiertheit seines Vaterlandes an deiner rechtzeitigen Flucht.
Sabine Mangold
Das Histor.-polit. Buch 55
2007, S. 25f


Aufzeichnungen eines Betroffenen über die Tragödie von Smyrna von 1922. (BI)
Smyrna (heute Izmir) gehörte zu den christlichen Zentren des Osmanenreiches. Seine Bevölkerung bestand zu einem großen Teil aus Griechen und Armeniern, unter ihnen befand sich auch der angesehene Arzt Dr. Hatscherian. Im Jahre 1922 zerstörten Truppen Kemal Atatürks die Stadt und richteten unter ihrer christlichen Bevölkerung unvorstellbare Massaker an. Hatscherian gelang es, mit wenigen anderen nach Griechenland auszureisen. Das Tagebuch, das er in der Zeitspanne vom 28. August 1922 bis zum 7. April 1923 niederschrieb, zählt zu den wichtigsten und erschütterndsten Zeugnissen des zweiten Genozids der Türken an ihren christlichen Landsleuten. Wie schon die Ereignisse von 1915/17 hat die Türkei auch diese bis heute nicht aufgearbeitet. Eine ausführliche Einleitung stellt den Text, der hier erstmals in deutscher Sprache erscheint, in den größeren historischen Zusammenhang und wirft Fragen auf, die auch 80 Jahre danach, im Blick auf spätere, ähnliche Ereignisse sowie für das Bemühen, aus der Geschichte zu lernen, aktuell sind: Die Rolle, die Großmächte ("Schutzmächte") bei Auseinandersetzungen wirklich spielen; die Haltung und der Einfluss der Medien; der Schutz von Minderheiten; die Wertschätzung einer Religion; die Achtung von kulturellen und sozialen Werten; die Einstellung zu den Mitmenschen. Für wache Leserinnen und Leser aller Bibliotheken.
Hanns Sauter
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