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Freitag, 18 Mai 2012
 
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Bogataj Mirko: Die Kärntner Slowenen, 2008 PDF Drucken E-Mail
Ein mit Herzblut geschriebenes Sachbuch zur Geschichte der Kärntner Slowenen und gleichzeitig eine enzyklopädische Darstellung des Landes Kärnten und seiner Menschen. (GK)

Ausgangspunkt für das knapp 500 Seiten umfassende Kompendium ist die Frage der Tochter an den Autor, warum er ihr seine "Art zu denken, zu fühlen und zu handeln vorenthalten habe". Damit gemeint ist die Sprache und Kultur der Kärntner Slowenen. Eine konkrete Antwort auf diese eingangs gestellte Frage wird nicht gegeben, wohl aber eine umfassende, nuancenreiche Darstellung der Geschichte der slowenischen Minderheit in Kärnten vom frühen Mittelalter über die slawische Staatsbildung in Karantanien bis zur Eingliederung in die Herzogtümer Bayern und Kärnten und in den Herrschaftsbereich der Habsburger, aus dem die heutige Republik Österreich hervorging. Ausführlich werden weitere historische Meilensteine beschrieben wie die Volksabstimmung vom 10.10.1920, bei der der slowenischen Minderheit Garantien für den Erhalt von Sprache und Kultur gegeben wurden, aber auch die Ereignisse während des Zweiten Weltkrieges, die Partisanenkämpfe oder die Aussiedlung slowenischer Familien, weiters die im Staatsvertrag von 1955 zugesicherten Garantien für den Fortbestand der Volksgruppen bis hin zum noch immer ungelösten Ortstafelstreit.
Das Buch gibt einen umfassenden Überblick über das geistige, kulturelle und gesellschaftliche Leben und Wirken von einem "Volk am Rand der Mitte" - so der Untertitel des Buches. Das zusammenfassende Schlusswort spricht fast beschwörend vom "inneren Reichtum einer Welt an der Grenze, die sich jetzt öffnet. Einer Welt am Rand zweier Mitten." Ein Buch zum besseren Verständnis Kärntens, das auf beeindruckende Weise die im gesamten europäischen Raum aktuelle Frage der Identität beispielhaft erarbeitet.

*bn* Jutta Kleedorfer

 


Informationsmittel (IFB) : digitales Rezensionsorgan für Bibliothek und Wissenschaft

Klaus Steinke
http://ifb.bsz-bw.de/

Link der Rezension

 

 
      
HPB 56,2008

(auf das Bild klicken)
 
Der Sozialdemokratische Kämpfer, Nummer 4-5-6/2008
 

Das Buch von Mirko Bogataj ist ein persönlich gehaltenes Kompendium für seine Kinder. Es ist als Nachschlagewerk über alles, was man über die Kärntner Slowenen wissen sollte, gedacht. Zu lesen und zu erschließen ist es über das ausführliche In-haltsverzeichnis.
Man findet im Buch viel über die Geschichte der Kärntner Slowenen, den Abwehr-kampf, das Überleben in der NS-Zeit, über die slowenische Kultur, Schulen, Verbän-de und die Auswirkung der Unabhängigkeit von Slowenien auf die Kärntner Volks-gruppe. Im Text eingestreut sind immer wieder zahlreiche Kurzbiographien sloweni-scher Künstler. Verstreutes und schwer zugängliches Material wird vom Autor in ver-dienstvoller Weise gesammelt. So kann man zum Beispiel aus dem Buch die Wahl-ergebnisse sämtlicher slowenischer Listen entnehmen. Ein Buch zum Nachschlagen, Querlesen und Nachdenken. Ein etwas anderes Buch über die Kärntner Slowenen. Empfehlenswert.
Peter Autengruber
Bücherschau 178, 1/2008, 48
 
 
Mirko Bogataj will mit seinem Buch (kitab-verlag) ein Tabu brechen, indem er eine Frage stellt, „die Generationen von Kärntnern nicht zu stellen wagten: die Frage ihrer Identität. …
…“Wenn Eltern und Großeltern die Verantwortung für ihre Lebensgeschichte nicht selbst übernehmen, übertragen sie Kindern und Enkeln eine schwere Last“. Kärnten jedoch sperre sich weiter ein, verhindere, dass die Ränder aufbrechen. Die nationale Ideologie sei noch vorherrschend – mit der Folge, dass in Kärnten ab- und ausgegrenzt werde. „Und das tut mir weh. Dieser Raum war über 1000 Jahre be-kannt für seine Offenheit.“ Die Schuld dafür solle man aber nicht bei den Mächtigen suchen,… schuld daran sei jeder von uns. LH Jörg Haider wirft Bogataj vor, er ver-stehe Kärnten und die Kärntner nicht. Die Kärntner Slowenen jedoch leiden leise. „Kaum jemand weiß, dass die Slowenen die Urbevölkerung des Landes sind. Die Stärke des Landes ist aber die Gemeinschaft aus deutschem Geist und slawischer Seele.“ Warum das Buch (erst) jetzt geschrieben wurde? „Die Ränder brechen ein in die Mitte. In dieser Zeit sind Seismographen der Wahrheit, Grenzgänger, notwendig. Das Zeitalter des Nationalismus geht zu Ende.“ Fazit: Die Zukunft könne nur besser werden, wenn wir uns mit der Vergangenheit auseinandersetzen.
Uwe Sommersguter
Kärntner Woche
23.1.2008

 


 

 

Bertram Karl Steiner
KTZ vom 8.10.2007

 


"Die Kärntner Slowenen" - Mirko Bogatajs Versuch einer Antwort
Utl.: "Ein Volk am Rande der Mitte" - Umfassende Enzyklopädie über die Volksgruppe mit sehr personlichen Anmerkungen
Klagenfurt (APA) - Eine umfassende Enzyklopädie über die Slowenen in Kärnten hat der Journalist Mirko Bogataj mit seinem 480 Seiten starken Buch "Die Kärntner Slowenen - Ein Volk am Rande der Mitte" am Donnerstagabend in Klagenfurt der Öffentlichkeit vorgelegt. In dem umfassenden Werk sind historische Fakten ebenso zu finden wie ein kompletter Überblick über das geistige, kulturelle und gesellschaftli-che Leben und Wirken der Minderheit. Gespickt ist das Ganze mit zum Teil sehr be-rührenden, persönlichen Gedanken Bogatajs.
< Das Buch sei als Versuch einer Antwort auf einen Brief seiner Tochter zu verste-hen, erklärte Bogataj. Vor mehr als 20 Jahren habe sie gefragt, warum er ihr seine Sprache nicht weitergegeben habe. "Warum hast Du mir Deine Art zu denken, zu fühlen, zu handeln, vorenthalten?", lautet die zentrale Frage des Schreibens, das als Einleitung des Buches abgedruckt ist. Diese Frage hat vor allem im 20. Jahrhundert Generationen von Kärntnern beschäftigt, eine Antwort hat bisher kaum jemand ge-wagt. Bogatajs Antwort ist nun über 400 Seiten lang geworden und weniger eine Rechtfertigung, als eine überzeugende, hoch politische Darstellung der Kärntner Ge-schichte fernab aller Klischees. "Kärnten ist ein Land der Mitte, das niemandem ge-hört, sondern allen", erklärte der Autor. Im vorliegenden Werk könne sich jeder selbst finden, wie weit er "national, nicht national oder gar international" sei.
Dass es mit dem von Bogataj unmissverständlich geforderten gemeinsamen Kärnt-ner Selbstverständnis derzeit noch nicht weit her ist, dokumentiert sein gescheiterter Versuch, das Buch im Wappensaal des Kärntner Landhauses, neben dem Fürsten-stein - dem alten, aber umstrittenen Symbol der Kärntner Rechtsstaatlichkeit - zu präsentieren. Das Ansinnen sei mit der Begründung abgelehnt worden, dass der Saal ausschließlich für Veranstaltungen, die "im Interesse des Landes" seien, vorge-sehen sei.
"Alle Kärntner sollen wieder erfahren, dass die Größe und der Reichtum ihrer Ge-schichte in der deutsch-slowenischen Gemeinsamkeit begründet ist", schreibt Boga-taj am Ende seines Buches. Mit seinem Werk ist ihm möglicherweise zwar keine Antwort auf die Frage seiner Tochter gelungen. Eine andere - die Minderheiten-Diskussion beherrschende Behauptung - konnte er jedoch neutralisieren. Wer auch immer mit der Meinung - "Ein Nicht-Kärntner kann das alles nicht verstehen" - kon-frontiert wird, hat ab sofort eine Antwort: In Form des Buches von Mirko Bogataj.
APA0259
2007-12-07/12:03
APA0259 5 II 0401 AI
Literatur/Neuerscheinung/Minderheiten/Slowenen/Kärnten

 

 
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