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Montag, 06 Februar 2012
 
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Schriftsteller und Menschenrechtler Dogan Akhanli zu Unrecht in Haft

Am 10.8.2010 wurde der in der Türkei bekannte Schriftsteller Dogan Akhanli, deutscher Staatsbürger seit 2001, am Flughafen in Istanbul verhaftet und in die Haftanstalt Metris verbracht. Seit dem 20.8.2010 wird er in einer Haftanstalt in Tekirdag festgehalten. Akhanli ist zum ersten Mal seit seiner Flucht 1991 in die Türkei gekommen. Er wollte seinen kranken Vater besuchen…

Die türkische Staatsanwaltschaft wirft Akhanli vor, er sei im Oktober 1989 an einem Raubüberfall auf eine Istanbuler Wechselstube beteiligt gewesen, bei dem ein Mensch getötet wurde. Akhanli hat diesen Vorwurf und jegliche Verbindung zu dem Überfall entschieden zurückgewiesen. Seine Anwälte, Haydar Erol (Istanbul) und Ilias Uyar (Köln), halten die von der Staatsanwaltschaft vorgelegten Beweismittel für völlig haltlos.

Rasant, ja überstürzt hat die türkische Justiz am 31.8.2010 die 3. Haftbeschwerde der Anwälte von Dogan Akanli abgelehnt. Die 9. Kammer des Strafgerichts Istanbul brauchte nicht einmal einen Arbeitstag – die Haftbeschwerde war erst in den Vormittagsstunden desselben Tages eingereicht worden. Begründet war der Antrag auf Haftentlassung von Dogan Akhanli mit drei Argumenten:

1. Der erste ehemalige Belastungszeuge von 1992 hat gegenüber dem Gericht schriftlich seine damalige Aussage zurückgezogen. Sie war ihm durch Folter erpresst worden. (Das Dokument finden Sie unter www.gerechtigkeit-fuer-Dogan-akhanli.de ; dort weiter zu: „Juristischer Hintergrund“; „Zeugenaussage Hamsa Kopal“.)

2. Der zweite ehemalige Belastungszeuge von 1992 hat seine Aussage ebenfalls schriftlich gegenüber dem Gericht zurückgezogen und überdies erklärt, schon 1992 sei ihm nicht einmal ein Foto von Dogan Akhanli zur Identifizierung vorgelegt worden. Bei der Vorlage von Fotos am 13.8.2010 habe er Dogan Akhanli nicht als einen möglichen Täter erkannt (auch diese Aussage finden Sie unter der angegebenen Webadresse: „Zeugenaussage Mustafa Tutum“).

3. 21 Jahre nach der Tat haben sich die türkischen Ermittlungsbehörden tatsächlich aufgemacht, Fingerabdrücke von zwei Taschen zu nehmen, die bei dem Raubüberfall im Oktober 1989 von den Tätern zurückgelassen worden waren. Darauf fanden sich keine Fingerabdrücke von Dogan Akhanli. (Dokument „Identifizierungsprotokoll“.)

Für das Gericht zählten diese Fakten nicht. Es begründet die Fortdauer der Haft ausschließlich mit dem Hinweis, Dogan Akhanli sei mit einem schweren Vorwurf belastet. Von wem oder aufgrund welcher Indizien – darüber schweigt sich das Gericht aus (den Wortlaut der Ablehnung finden Sie ebenfalls in Kürze unter der angegebenen Webadresse).

Ein ungeheuerlicher, skandalöser Vorgang, der jedem Rechtsverständnis Hohn spricht. Spätestens jetzt ist die Frage an die deutsche Regierung, namentlich an das Auswärtige Amt zu stellen, ob sie es weiter zulassen will, dass ein deutscher Staatsbürger auf diese Weise schikaniert, gedemütigt und ausschließlich aus politischen Gründen unrechtmäßig in Haft gehalten wird.

Es ist Zeit für eine scharfen Protest gegenüber der türkischen Regierung.

Wir bitten weiterhin Menschenrechtsorganisationen, Verbände und Einzelpersonen, gegen die willkürliche Inhaftierung von Dogan Akhanli zu protestieren: beim Auswärtigen Amt in Berlin, bei der türkischen Botschaft in Berlin und beim türkischen Generalkonsulat in Köln.

Pressemeldungen KulturForum TürkeiDeutschland v. 24.08./02.09.2010, Hintergründe und Adressen unter: www.gerechtigkeit-fuer-Dogan-akhanli.de

Dogan Akhanli war nach dem Militärputsch von 1980 im Untergrund. 1985-1987 war er als politischer Häftling im Militärgefängnis von Istanbul inhaftiert und wurde dort gefoltert. Er floh 1991 nach Deutschland, wurde hier als politischer Flüchtling anerkannt und später von der Türkei ausgebürgert. Seit Mitte der 90er Jahre lebt er als Schriftsteller in Köln. Seitdem hat er sich in Romanen, Aufsätzen und Interviews und in Projekten in Deutschland immer wieder für den offenen Umgang mit historischer Gewalt und für die Unteilbarkeit der Menschenrechte eingesetzt.

Schwerpunkt seines zivilgesellschaftlichen Engagements sind das Gedenken an die Genozide des 20. Jahrhunderts (unter Einschluss des Völkermords an den Armeniern) und der interkulturelle, auf Versöhnung orientierte Dialog. Akhanlis Projekte wurde unter anderem von der Bundesstiftung “Erinnerung, Verantwortung und Zukunft” gefördert und vom Bündnis für Demokratie und Toleranz ausgezeichnet. Akhanlis Romane wurden zu den wichtigsten Roman-Veröffentlichungen in der Türkei gewählt (Madonna’nin Son Hayali, 2005). Er erhielt 2009 den Literaturpreis der Zeitung “Hürriyet”. Dogan Akhanli hat sich intensiv für die Aufklärung des Mordes an Hrant Dink eingesetzt und erinnert an die friedensstiftende Arbeit dieses Journalisten und Autoren.

Dogan Akhanli ist Mitarbeiter des gemeinnützigen Vereins „Recherche International“. Der Verein befasst sich vorrangig mit der bildungsorientierten Aufarbeitung von genozidalen Gewalterfahrungen; der Verein ist u.a. Träger des Projekts „Die 3. Welt im 2. Weltkrieg“ (www.3www2.de). Spenden zur Finanzierung von Akhanlis Verteidigung werden auf folgendes Konto erbeten: Recherche International e.V., Kontonummer 238 120 43, Sparkasse Köln, BLZ 370 501 98; Stichwort: Dogan Akhanli.

 

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26.02.2009
Boris Pahor auf SWR-Bestenliste

 

Boris Pahors Buch Piazza Oberdan, das im Klagenfurter kitab Verlag in Kürze in 2. Auflage erscheint, wurde auf die März-Bestenliste des Südwestfunks gewählt. Für die SWR-Bestenliste nennen 31 LiteraturkritikerInnen monatlich - in freier Auswahl - vier Buch-Neuerscheinungen, denen sie "möglichst viele Leser und Leserinnen" wünschen.
In Piazza Oberdan (kitab Verlag) erzählt Boris Pahor (Foto) anhand der Geschichte des titelgebenden Platzes die Geschichte der Slowenen in Triest. In der k.u.k.-Zeit lebten Slowenen, Italiener und deutschsprachige Österreicher hier im wesentlichen friedlich zusammen. Nach dem Anschluss der weltoffenen Stadt, die einer Vielfalt von Kulturen offen gegenüberstand, machte sich hier der Faschismus schon vor der Machtübernahme in Italien bemerkbar. Die Niederbrennung des slowenischen Kulturhauses blieb bis heute ungesühnt. Immer wieder dient die einst polyglotte Stadt, die im Einvernehmen mit dem slowenischen Hinterland auf dem Karst lebte, den Aufmärschen postfaschistischer Gruppen, Bersaglieri usw.; die slowenische Identität ist auf den ersten Blick nicht mehr zu spüren. Pahors Bestreben geht dahin, die Vielfalt der Kulturen in der Hafenstadt auch für die Zukunft in einem vereinten Europa zu erhalten.

www.buecher.at

BESTENLISTE DES SÜDWESTFUNKS BADEN-BADEN MÄRZ 2009 (Platz 7)


Der verhinderte Opernsänger und die rationalistische Spiegelglatze
Rezensiert von WILLY HOCHKEPPEL - 17-09-2008

Dieser jetzt erstmals komplett erscheinende Briefwechsel fällt in die aufgeregten und aufregenden Jahrzehnte von 1958 bis 1971; der darin angeschlagene Ton ist, abseits spröder Gelehrtenmanier, heiter bis ironisch-sarkastisch. Der 1994 gestorbene Paul Feyerabend konnte schreiben, wie er redete, selbst in seinen gediegenen wissenschaftstheoretischen Arbeiten, und reden tat er pointenreich und mit Wiener Schmelz. Hans Alberts schneller rheinischer Witz kommt im Geschriebenen etwas zu kurz, „mein Schreibstil ist vorläufig noch zu trocken”, doch er weiß die gewagten Luftsprünge seines gegen den szientistischen Stachel löckenden Freundes teils amüsiert glossierend, teils sanft rüffelnd aufzufangen.
Paul Feyerabends unentwegtes Schwanken zwischen künstlerischen Ambitionen – er studierte zunächst Theaterwissenschaft und ließ sich als Opernsänger ausbilden – und seinen naturwissenschaftlichen wie philosophischen Interessen reflektiert sich, seine Briefe manifestieren es, in seiner anarchistisch-dadaistischen Erkenntnistheorie, die wie ein hedonistischer oder dionysischer Windstoß die puritanische Philosophie durchblies. Anfang der fünfziger Jahre als Adlatus Wittgensteins in Cambridge vorgesehen, schloss er sich, als Wittgenstein starb, in London Karl Popper an. Hans Albert fand im Anschluss an ökonomisch-soziologische Arbeiten im Kritischen Rationalismus Poppers sein philosophisches Credo, zu dessen Grundthesen – etwa Erkenntnisgewinn durch permanente methodische Kritik, Verwerfung sogenannter Letztbegründungen – er nach wie vor steht; während sich Feyerabend, inzwischen in Berkeley niedergelassen, „dieser kulturellen Wüste”, von Popper entschieden abnabelte, ihn als reaktionär abkanzelte und bei jeder Gelegenheit veralberte: „In meinem Haus habe ich ein großes Bild von Bela Lugosi als Drakula, und Karl fragte ‚which scientist is this‘”. Ganz andere Größen präferiert er nun. „Mein Held ist der Brecht und Johnny Carson” (ein einstmals populärer TV-Entertainer). Er lobt den „Chairman Mao” und „verschönt” seine Texte mit Cohn-Bendit-Zitaten. „Triviales und langweiliges Zeug. Also: laß es gut sein”, winkt Albert genervt ab. Mitunter diskutieren beide tiefgründig Probleme des Empirismus, zugleich beschäftigt sich Feyerabend mit „Bruder Aristoteles”, kauft sich Lenins Werke, „45 Bände”, und bestellt „die Summa Theologiae des Thomas, Lateinisch und Englisch”. Er liest Novalis und findet es im Übrigen an der Zeit, „die Klassik des Rationalismus durch eine neue Romantik zu überwinden”; nicht nur darin, nebenbei, ein wenn auch überhitzter Vorläufer des unlängst verstorbenen liberalen Pragmatisten Richard Rorty. Zu Alberts Verdruss, der unbeirrt die Fahne kritischer Rationalität hochhält, meint Feyerabend auch noch mit dem Katholizismus anbändeln zu müssen.
Wrestling und Keilschriftübung Er kennt die besten Crime stories, geht häufig ins Theater, hin und wieder zum Wrestling, übt sich in Keilschrift und verfällt manchmal, wie auch Albert, stundenlang dem Fernsehen. Immer häufiger kokettiert er mit Hegel. „Abgesehen von meinen Narreteien”, schreibt er, „hab’ ich es mit dem Hegel auch ernst gemeint.” „Was hier nottut, ist Hegelkritik”, rückt Albert das zurecht. Darauf Feyerabend: „Hegel – well, nimm das nicht so ernst.” Albert, sich selbst einmal als „Mannheimer Positivismus-As mit der Spiegel-Glatze” persiflierend, empfiehlt hingegen Marxens „Kapital”, das ihm, bis auf die Wertlehre, als „Krönung der klassischen Ökonomie” gilt.
Mehrfach erläutert Feyerabend seine zum Slogan gewordene Parole „Anything goes” als tentativen Methodenpluralismus (plus Voodoo und Hexenkunst). Seine Abhandlungen schreibt er ständig um, vor allem seine „antipopperianische Stinkbombe”, das maßgebende Buch „Against Method” (deutsch „Wider den Methodenzwang”). „Dein Buch scheint zu einem Monstrum geworden zu sein”, argwöhnt Albert. Versteht sich, dass die intellektuellen Protagonisten des einstigen Zeitgeistes beschworen werden, von Thomas Kuhn oder Imre Lakatos bis Karl Rahner, Gadamer oder Habermas, mit dem sich Hans Albert ja um diese Zeit im Positivismusstreit duellierte.
Hin- und hergerissen wie stets ist Feyerabend in den Jahren der Studentenbewegung, engagiert sich für deren radikale Ziele, hält ihre Taktik indes für vorsintflutlich. „Überhaupt bin ich mehr und mehr nach links abgerutscht.” Doch schon 1970 heißt es in Großbuchstaben: „Der Feind steht links.” Gelassen stellt Albert fest, was „Du nun entdeckst” an der Jugendbewegung, „kennen wir schon lange: Moralismus und darüber hinaus sogar: elitäre Arroganz”.
Es sind höchst unterschiedliche Perspektiven, unter denen die beiden Briefpartner das Zeitgeschehen betrachten: Albert nahe an den deutschen Brennpunkten, Feyerabend aus der Sicht des Jetsets. Er fliegt rastlos umher, sowohl sein „wildes Denken” als auch seine soliden wissenschaftstheoretischen Schriften bescheren ihm Offerten von Universitäten um den halben Globus. Doch Entscheidungen werden immer wieder vertagt, Pläne gefasst und verworfen. „Deine Umplanungen sind atemberaubend!”, entringt es sich Albert einmal. Und Feyerabend stöhnt: „Hätte doch ein Opernsänger werden sollen.” Und fast in jedem Brief spielt er sich als Macho auf, scherzt auch mit des Hansens Gretl.
Erstaunlich ist dieser oft bekenntnishafte Briefwechsel nicht zuletzt darin, dass er vorführt, wie trotz erheblich auseinanderdriftender theoretischer Überzeugungen und Lebensstile persönliche Freundschaft Bestand haben kann.
Das Erscheinen dieses Bandes verdanken wir einem risikofreudigen Verleger. Unglücklicherweise hat er sich auch als Herausgeber betätigt, mit trübem Ergebnis. Notwendige Erläuterungen fehlen, Fußnoten, verdoppelt im Personenregister, sind nichtssagend: „Russell Bertrand, engl. Philosoph”, „Hilary Putnam, amerikan. Philosoph”, allzu viele sind falsch oder lachhaft: „Hannah Arendt, Philosophin, Schülerin und Geliebte Heideggers”. Für den angekündigten zweiten Band wünscht man sich einen Editor, der durch kenntnisreiche Ergänzungen das zeitgeschichtliche intellektuelle Umfeld der Briefe beleuchtet.
WILLY HOCHKEPPEL



Kitab Verlag bekommt Übersetzungsförderung
Für die "hochwertige literarische Überstzung" des Romans Piazza Oberdan. Vom Leben der slowenischen Minderheit in Triest des slowenischen Autors Boris Pahor erhält der österreichische Kitab Verlag eine Förderung der Europäischen Kommission.
Durch die Förderung "Literarische Übersetzung" kann das Projekt zur Gänze finanziert werden.
Der Kitab Verlag wurde 1998 mit dem Ziel gegründet, kulturelle und literarische Werke aus verschiedenen Weltkulturen in Europa bekannt zu machen und fühlt sich in seiner Programmarbeit dem Engagement für Menschenrechte und Minderheiten verpflichtet. Aus dem Slowenischen wurden im Kitab Verlag bereits zwölf Werke übersetzt und veröffentlicht.
Der Roman Piazza Oberdan wird von Reginald Vospernik aus dem Slowenischen übersetzt.

Hauptverband des österr. Buchhandels, Website (21.9.2008)

 



Platz für die Kunst und Stockerlplätze
Wenn das kein Grund zur Freude ist! Der Klagenfurter Kitab-Verlag von Wilhelm Baum erhält eine EU-Förderung für die Übersetzung von Boris Pahors "Trg Oberdan". In der Novelle erzählt der 95-jährige Schriftsteller anhand der Geschichte des Platzes das Schicksal der slowenischen Minderheit in Triest. An der Übersetzung ins Deutsche arbeitet Reginald Vospernik.

Kleine Zeitung 22.9.2008, S. 40

 

 
   
   

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