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Literarisches Andenken an den vertriebenen Volksstamm der aramäischen Christen. (DD) Dieses Werk umfasst zwei thematische Schwerpunkte: zum einen regionale Märchen, Legenden und Anekdoten, deren hauptsächlich mündliche Tradierung typisch für die berühmte orientalische Erzähltradition ist, zum anderen authentische Erinnerungen diverser ErzählerInnen an vergangene Zeiten. Gute wie schlechte. Bräuche und Sitten, der harte Überlebenskampf in dieser Bergregion mit ihren Ausläufern in den heutigen Irak, den Iran, die Türkei und Syrien sowie das interkulturelle Zusammenleben von Moslems, Christen und Juden. Das stolze, traditionsbewusste Volk der aramäischen Christen trotzte lange Zeit der Islamisierung und kämpfte bis zum bitteren Ende um kulturelle und sprachliche Unabhängigkeit. Der geschürte Hass auf Juden und Christen in dieser politisch instabilen Region führte schließlich zu einem regelrechten Genozid, diverse Aufstände wurden blutig niedergeschlagen und zuerst verließen Juden, später dann auch Christen ihre zuletzt dem Erdboden gleichgemachten Heimatdörfer und verstreuten sich in alle Herrenländer. Mit dieser Publikation ist es den Herausgebern gelungen, ein wertvolles Dokument soziokultureller bzw. zeitgeschichtlicher Überlieferungen für die Nachwelt festzuhalten, das nicht nur für theologisch, sprachwissenschaftlich, politisch oder geschichtlich Interessierte sehr lesenswert ist, sondern auch in Bereichen wie Bildung und interkultureller Dialog sehr gute Dienste leisten wird.
Christoph Stitz bn.bibliotheksnachrichten Aradin liegt in einem fruchtbaren Tal, umgeben von eindrucksvollen Bergen, in einer paradiesischen Landschaft zwischen Dohuk und Amadiya im „wilden“ Kurdistan. Der Name soll ja „Paradiesgarten“ bedeuten. Durch die Bombardierungen während des Saddam-Regimes flüchteten die christlichen Bewohner in den Süden und viele wanderten nach Europa und Amerika aus, heute ist es wieder bewohnt. Das Dorf gehört zur chaldäischen Diözese Amadiya und besitzt neben der Pfarrkirche die alte Wallfahrtskirche Sultan Mahducht, die in den vergangenen Jahren renoviert wurde und vielfach auch von Kurden besucht wird. Im vorliegenden Buch kommen Menschen zu Wort, die das alte Aradin erlebt haben. Die Märchen, Fabeln und Anekdoten führen in eine Welt, in der man noch aus dem reichen Schatz der mündlichen Überlieferung geschöpft hat. Es folgen Erinnerungen an Bräuche und historische Ereignisse, vondenen einige recht lebhaft geschildert werden: die Erinnerung an die Juden im Dorf, die Nöte während der Herrschaft der Türken, die Kämpfe die zum Exodus geführt haben. Ein Nachwort schildert zusammenfassend das Leben im Dorf Aradin. Ein historischer Überblick rundet das zuvor Erzählte ab, ergänzt es und gibt allem einen festen Rahmen. Die Märchen und Legenden nimmt man als nette Erzählungen entgegen, über die Bewältigung des Alltags einige Generationen zuvor kann man nur staunen, alles zusammen führt aber doch eine unbekannte Welt vor Augen. Es ist bemerkenswert, welch einfaches Leben die Christen geführt und mit welcher Zähigkeit sie die ständigen Bedrohungen überstanden haben. Man kann nur wünschen, dass die chaldäischen Christen, die heute in Aradin leben, mit demselben Mut die Probleme bewältigen und durch sie der christliche Glaube im „Paradiesgarten“ erhalten bleibt. HH ICO - INFORMATION CHRISTLICHER ORIENT Nr. 37 / Februar 2010 |