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Freitag, 18 Mai 2012
 
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Pajer Rajmund: Ich war I 69186 in Mauthausen, 2010 PDF Drucken E-Mail
"Das KZ mit den besten Überlebenschancen"
Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Befreiung am 8. Mai 1945: Begegnung mit dem letzten Überlebenden des Mauthausen-Außenlagers Klagenfurt-Lendorf im Musil-Institut.

Mein lieber Freund, ich kann nicht von mir behaupten, ein "Schriftsteller" zu sein, dennoch möchte ich dir die Geschichte meiner Odyssee durch die Jahre des Zweiten Weltkrieges erzählen. Es ist eine Geschichte, die du nicht vergessen wirst, was, wie du sehen wirst, auch ich nicht getan habe."

Als "Letter to my Friend" begann Rajmund Pajer im März 2007 in Montreal, Quebec, Kanada seine Geschichte niederzuschreiben. Wie er als 14-Jähriger im slowenischen Hinterland von Triest zunächst von Partisanen rekrutiert wurde und hernach ins KZ-Netzwerk geriet - diese Erlebnisse haben den 1930 in Triest geborenen Pajer nie losgelassen, obwohl er Jahrzehnte darüber geschwiegen hat.

Kärntens Beitrag
Unter dem Titel "Ich war I 69186 in Mauthausen" sind Pajers Erinnerungen nun im Klagenfurter Verlag kitab erschienen. In dem Buch ist der Brief (im englischen Original und in deutscher Übersetzung von Christian Rabl) zu lesen, ergänzt mit Anmerkungen des Autors und zwei aufschlussreichen Aufsätzen: Der eine beschäftigt sich mit "Entstehung, Organisation und Funktionswandel des nationalsozialisten KZ-Systems, dargestellt an den Beispielen Mauthausen und St. Aegyd" (Christian Rabl). Im zweiten beschäftigt sich Peter Gstettner mit dem "Überleben nahe am Zentrum des Terrors" und dem Beitrag Kärntens. Denn der Zeitzeuge Rajmund Pajerl ist der letzte Überlebende des Mauthausen-Außenlagers Klagenfurt-Lendorf. Über diese Zeit (Oktober 1944 bis Jänner 1945) schreibt Pajer unter anderem: "Wie ich vorher schon erwähnt habe, war Klagenfurt-Lendorf kein "Gesundheits-Ressort", aber während ich dort war, starb niemand und es gab auch keine Fälle von Ruhr oder Typhus, wie es in anderen Lagern üblich war. Mauthausen wurde als schlimmstes Lager bezeichnet, in das man geschickt werden konnte, Klagenfurt-Lendorf als das beste - was die Überlebenschancen betrifft. Ironischerweise habe ich beide überlebt."

Für Peter Gstettner, der als Obmann des Mauthausen Komitees Kärnten/Koroka seit Jahren für eine Dezentralisierung des Mauthausen-Gedenkens eintritt und den Erinnerungsbedarf an wenig beachteten Nebenlagern forciert, war die Bekanntschaft mit Pajer zusätzliche Motivation, sich für eine Gedenktafel in der Lendorf-Kaserne starkzumachen. Im September 2007 wurde diese im Rahmen einer militärischen Feier enthüllt. "Ein Meilenstein der "anderen" Traditionspflege des österreichischen Bundesheeres", merkt Gstettner an.

Und auch der Konzeptkünstler Richard Kriesche erkor die Khevenhüller-Kaserne zum Ort der Erinnerungskultur. Er verwandelte ein NS-Propagandagemälde im Offizierskasino zum Zeitdokument, indem er es hinter Glas setzen ließ. Die Glasplatten hatte Kriesche zuvor an 18 Stellen "mit dem Sturmgewehr bemalen" (also: durchschießen) lassen.

Heute vor 65 Jahren wurde Rajmund Pajer in Mauthausen befreit. Er war gerade 15 Jahre alt und hatte so entsetzliche Dinge erlebt, dass er erst sehr viel später Worte dafür fand.

Nach einem längeren Aufenthalt im Feldspital der Amerikaner wartete Pajer im Lager Gusen auf die Rückführung nach Triest. Dort fand er die Mutter und den jüngeren Bruder wieder, die ihn für tot gehalten hatten. Den Vater sah er nie mehr - er war im Oktober 1944 nach Dachau verschleppt worden.

Buchpräsentation und Lesung. Mit Rajmund Pajer, Christian Rabl, Peter Gstettner und Peter Raab (Sprecher). Musil-Institut Klagenfurt. Heute, 19.30 Uhr


Uschi Loigge
Kleine Zeitung 5.5.2010, S. 56
 
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