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Engel Christine: Sehen Frauen mehr? |
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Sehen Frauen mehr? fragt eine Anthologie aus dem Klagenfurter kitab-Verlag, die bei Translationsübungen an der Universität Innsbruck entstand. Die Slawistin Christine Engel hat zwölf Erzählungen von sechs Schriftstellerinnen ausgewählt, die sich mit dem Leben in Russland auseinandersetzen. Bis auf eine Ausnahme gehören sie der Generation an, die erst durch die Perestrojka zum Schreiben ermutigt worden ist. Die aus einer Bauernfamilie stammende Nina Gorlanova (*1947) lebt in der Uralstadt Perm’ und schreibt Erzählungen. In Metamorphosen (2001) schildert sie das Alltagsleben von Nachbarn und Freunden sowie die eigene Situation als Schriftstellerin in der Provinz. Zwei Texte der Petersburgerin Anna Radzivill (*1947) behandeln die Rolle von Musik und Theater im Leben des Menschen. Die im Altaj geborene Tat’jana Nabatnikova (*1948), die sich durch eigene Prosa und als Übersetzerin deutschsprachiger Literatur einen Namen gemacht hat, erweist sich als eine scharfe Beobachterin der Transformationsprozesse, die sich nach dem Ende der UdSSR auch auf die Geschlechterbeziehungen auswirken. In der Erzählung Wein und Leidenschaft (2007) von Ol’ga Novikova (*1950) sucht eine deutsche Ärztin nach einer Russlandreise aus einer festgefahrenen Ehebeziehung auszusteigen. Svetlana Vasilenko (*1956), in Deutschland schon durch den Prosaband Stadt hinter Stacheldraht (1992) und den Roman Die Närrin (2003) bekannt, behandelt auch in den Erzählungen Das Schweinchen und Die Zieselmaus ihr Grundthema, das Leben in einer „Militärstadt“, in der alles reglementiert ist und der Zivilist keinen persönlichen Freiraum besitzt. Aus der dritten Generation einer Schriftstellerfamilie kommt Anna Kozlova (*1981), die in Sprache und Stil zur Provokation tendiert, wie auch ihre Erzählung Der Lammfellmantel (2004) zeigt. Nach dem Urteil der Herausgeberin sind die Autorinnen „einer im weitesten Sinne realistischen Erzähltradition“ verpflichtet, „wenn man Realismus als eine Schreibweise versteht, die eng an die Erfahrungswelt angelehnt ist“. Karlheinz Kasper |