Im Zentrum stehen literarische Betrachtungen zum Gailtal von Engelbert Obernosterer, zu denen Gerald Domenig künstlerische Fotos beisteuert, die Entwicklungsprozesse und Fehlentwicklungen bei der Modernisierung verdeutlichen. Jahrhundertelang gepflegte kulturelle und wirtschaftliche Phänomene fallen einem Globalisierungsprozess zum Opfer. Eine der wichtigen Gestalten aus dem Gailtal war der Dichter, Volkskundler u. Priester Urban Jarnik (1784-1844), ein früher Vertreter der Romantik in Kärnten, der 1813 in den „Vaterländischen Blättern“ in Wien die Studie „Über die Gailthaler in Kärnthen“ veröffentlichte – die erste Publikation über das Gailtal, die hier wiedergegeben werden soll wie auch autobiografische Aufzeichnungen über den Einmarsch der Franzosen ins Gailtal. Aus dem Gailtal stammte auch Matija Majar (1809-1892) aus Goritschach, der in seinen Anfängen für die bischöfliche Kanzlei eine Fibel für das Briefschreiben in Slowenisch verfasste. 1841 lernte er bei Jarnik den russischen Slawisten Ismail I. Sreznevskij kennen und besuchte mit ihm das Gailtal.
In der Revolution von 1848 forderte er seine Landsleute auf, nicht für das Frankfurter Parlament zu votieren und wurde vom Bischof strafversetzt. Später wurde er zu einem Wortführer des Panslawismus, der wie Jarnik Kontakte zu Russen aufnahm und 1867 einen ethnologischen Kongress in Moskau und auch St. Petersburg besuchte. Seine russische Biografie von der Slawistin Curkina dokumentiert seine Bestrebungen, ev. in Odessa Fuß zu fassen; sein Grab befindet sich in Prag (Beitrag von Stefan Pinter). Ein Gailtaler Slowene war auch Franc Grafenauer aus Egg, der mit 36 Jahren in den Landtag, 1907 in den Reichsrat gewählt und 1916 verhaftet wurde, 1917 die Maideklaration unterzeichnete, dann Abgeordneter im jugoslawischen Parlament war und 1935 in Brugg im Gailtal starb (Beitrag von Walter Lukan). Die wirtschaftliche Lage zwang bereits im 19. Jh. viele Gailtaler zur Auswanderung in die USA; besonders Milwaukie in Oregon wurde zu einer „Kolonie“ der Gailtaler. Die Auswandernden mussten zunächst oft Jahre hart arbeiten; als sich der Erfolg einstellte, kehrte der „Onkel aus Amerika“ zurück, um Neffen und Verwandte nachzuholen; noch heute pflegen die amerikanischen Nachkommen Kontakte zur alten Heimat.
Die Künstlergruppe um Franz Wiegele und seinen Schwager Anton Kolig führte zur Entstehung des „Nötscher Kreises“, zu dem auch Sebastian Isepp und später Koligs Schüler Anton Mahringer gehörten. Im Sommer veranstaltete Kolig mit seinen Studenten von der Stuttgarter Akademie Sommerkurse, die zur Gründung einer Schule führten, die nach Jahrzehnte später nachwirkte. Eine besondere Rolle in der literarischen Landschaft Österreichs spielt das Gailtal durch den Bezug zum Werk Ingeborg Bachmanns. Bachmanns Vater stammte vom Tobaihof in Obervellach, und Ingeborg Bachmann verbrachte als Kind dort oft Wochenenden und Ferien im Haus der Großeltern. Das Gailtal mit den Orten Obervellach und Hermagor wird zum Schauplatz der posthum veröffentlichten Jugenderzählung „Das Honditschkreuz" (1943). Das zweisprachige Grenzgebiet des Gailtals, die Landschaft an der Gail, das Kindheitsland, wird später zum Sehnsuchtsland der Protagonistinnen in den Todesarten - Romanen, Orte der Magie und geheimen Kraft für die in ihrer Würde und weiblichen Identität beschädigten Frauengestalten. In ihrem unveröffentlichten „Versuch einer Autobiographie erwähnt sie den Hof „Tobai“; „es hat uns früher der Rannerhof gehört, der oberhalb des Dorfes lag“. Ein Auszug aus Miroslaw Schnabls „Erinnerungen“ über den „Oce“ vermittelt einen Einblick in die Mentalität der Gailtaler Bauern vor dem 2. Weltkrieg.