Peter Flicker, 22, sexbesessen, popmusikbegeistert, illusionslos und in bekennender Übereinstimmung mit seinem Grübelzwang, hat einen recht experimentellen Zugang zum Leben: er läßt alles einfach auf sich zukommen und versucht, sich aufgrund der Ereignisse und Beobachtungen und früher gemachter Erfahrungen einen Reim darauf zu machen.
Der Text blendet sich irgendwo in sein Leben beziehungsweise in sein wahrnehmendes und reflektierendes Bewußtsein ein, und zwar an einem Abend zu Beginn der Sommerferien (das Datum ist der 8. Juli 1981) – einige Tage, nachdem Peter aus seinem Studienort in sein südkärntner Heimatdorf Maria Elend heimgekehrt ist, und gleichzeitig einen Tag, bevor er gemeinsam mit seinem Freund Stefan zu einer Südeuropareise aufbricht –, und begleitet ihn ziemlich genau zwei Wochen. In dieser Zeit geschieht meistens nichts besonderes, manchmal dann doch – für Peter aber macht das keinen allzugroßen Unterschied: denn schaut man genauer hin, ist das Dramatische und Spektakuläre vom Läppischen und Banalen oft gar nicht mehr so verschieden; und was auch immer geschieht: im Grunde bleibt alles unerklärlich – die Ereignisse, die Menschen und sogar er selber. Und mit dieser Voraussetzung – das ist sein Credo – macht man einfach immer irgendwie weiter: Peter und Stefan müssen nach kurzem den Südeuropatrip abbrechen, wobei sich nicht entscheiden ließe, ob das wirklich notwendig gewesen wäre oder nicht, und Peter sieht sich dadurch gezwungen, eine gerade erst gewonnene Geliebte zu verlassen. Die beiden kehren aber nicht heim, sondern Stefan fährt zu seiner Freundin, die den Sommer zu Hause, in einer kleinen vorarlberger Ortschaft, verbringt, und Peter begleitet ihn und tritt anschließend von Bregenz aus eine Rundreise in Österreichs Grenzgebiete an. Er kommt nach Salzburg und ins Wald- und Weinviertel, und er schaut sich alles genau an: den Himmel, die Landschaft, die Autos auf den Straßen, die Werbeplakate usw., den Regen, die Nacht, die Menschen und dabei insbesondere natürlich die Frauen – und hin und wieder läßt ihn beziehungsweise holt ihn eine an sich ran. Bevor er aber seine Feldforschung in der Südsteiermark fortsetzen kann, besucht er – eigentlich nur auf Durchreise – in Wien einen Freund, der aus Isfahan in Persien stammt, und wird mit diesem gemeinsam Opfer eines Betrugs. Infolge dieser Unannehmlichkeit verschiebt Peter die Reise in die Steiermark, fährt einmal nach Maria Elend zurück, wo ihn eine ebenso böse wie alltägliche Überraschung erwartet.
Am Ende ist dann nach einer Menge mehr bis weniger zufälliger Ereignisse doch alles anders. Aber das verwundert Peter Flicker als gelernten Desillusionisten nicht wirklich, sodaß auch damit alles beim Alten bleibt.
Der Autor
geb. 1962 in Klein St. Paul (Kärnten), Verlagslektor, gelegentlich Konzeptkünstler.
Publikationen: Der Rest der Welt (Erzz., Alekto 1993); Yoga light oder Die Prostata ist in Ordnung (Gedichte, Alekto 1995); Peepshow / 25 % mehr Inhalt gratis (Konzeptuelle Gedichte, Sisyphus 1995); Aufbruch, Gott, Hertha (Roman, Resistenz 1999); DAS IST KEINE KUNST (Konzeptkatalog, Klagenfurt 1995); Textiltheater /Politische T-Shirts (Katalog zur gleichnamigen Aktion, Klagenfurt 1999).