Akhanli Doghan: Die Richter des jüngsten Gerichts

Akhanli Doghan: Die Richter des jüngsten GerichtsRoman. Aus dem Türkischen übersetzt von Hülya Engin
 
Art.Nr.:219
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Die Türkei nach dem Putsch von 1981... Ein junger Mann, politisch verfolgt und tagtäglich mit der Gefahr von Verhaftung, Ermordung oder Verschwindenlassen konfrontiert, ist mit Frau und Kind untergetaucht... Ümit Bey, ein älterer Nachbar, erkennt die wahre Identität seines wortkargen Nachbarn. Immer deutlicher wird, dass Ümit Bey mehr ist als ein väterlicher Nachbar: Ein Weiser, ein Meddah (Märchen- und Geschichtenerzähler anatolischer Tradition), ein Begleiter durch Zeit und Raum, ein Lehrmeister ohne belehrenden Ton, ein Moralist ohne erhobenen Zeigefinger.

            Nicht mit Daten, Zahlen und Fakten eines Historikers, vielmehr subtil und behutsam, mit einem winzigen Hinweis etwa, einem beiläufigen Wort, einer Andeutung, einem Schatten führt Ümit Bey seinen jungen Zuhörer in die Vergangenheit. Ein Gemälde an der Wand, ein Buch im Regal, ein aus einer Truhe hervorgeholter Gegenstand, ein Ring mit einem eingravierten „U“ sind Auslöser, die immer neue Stationen der Zeitreise einläuten. Mit Ümit Beys Zeitsprüngen, Identitätswechsel und visionären Zukunftsbildern wird der junge Mann hineingerissen in die Geschichte der Türkei, findet Antworten auf seine Fragen nach Identität und den Ursachen der staatlichen Gewalt, zu deren Opfern auch er selbst und seine Generation wurden. Der junge Mann begegnet dabei einer Schwangeren in Männerkleidung, die auf einem Pferd einem Massaker entflieht, wird Zeuge eines verheerenden Kriegs, verfolgt eine folgenschwere Konferenz im Kriegsministerium, findet sich im Schlafgemach eines soeben vermählten Paschas wieder, dann an einem abgeschiedenen, beinahe paradiesischen Ort namens „UVANIS“, in einer Gefängniszelle bei einer Zeugenvernehmung, in einem geheimnisvollen Kellerraum voller Porträts und schließlich in einer visionären Zukunft, einer Zukunft ohne Leugnung, Lüge und Unrecht – aber auch ohne ihn selbst. Und all diese Mosaiksteine fügen sich allmählich zu einem Gesamtbild zusammen, das dem jungen Mann die schmerzliche, aber auch erhellende und befreiende Wahrheit vor Augen führt.