Marincic Katarina: Die verborgene Harmonie

Marincic Katarina: Die verborgene HarmonieAus d. Slowen. v. Kocmut Daniela
 
Art.Nr.:6
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Wien 1901. Fani, die Frau des Kaufmanns Franc Naglic, erwartet eine Tochter. Irma verbringt ihre Kindheit in Triest. Noch vor dem 1. Weltkrieg geht das Geschäft des Vaters zugrunde. Naglic zieht zu seiner Schwester nach Unterkrain. Hier führen Naglic und seine Familie ein ruhiges Leben, das auch im Krieg nicht gestört wird. Es ist eine in sich verschlossene Welt, deren  Bewohner nach wie vor fast nur Intimes erleben. Parallel dazu wird das Leben von Karol Lipnik erzählt, der als Sohn eines Beamten in Ljubljana allein mit der Mutter und den Schwestern die Zeit verbringt, Klavier spielt und von einer Pianistenkarriere träumt. Den Traum von der Künstlerkarriere gibt er auch nicht auf, als ihm der Tod des Vaters den Weg zum Studium versperrt. Er wird sich der Realität erst bewusst, als die Mutter einen Mieter aufnehmen muss. Der Mieter Dragotin Haman hat die Erfahrung des Frontlebens hinter sich. Erst durch ihn sieht sich Lipnik mit dem Leiden des Krieges konfrontiert.

Mit dem Urlaub, den Haman mit Lipnik bei dessen Onkel verbringt, setzt seine Lebensgeschichte retrospektiv ein. Die kleinbürgerliche Welt erfüllt Haman mit Ekel. Die Begegnung mit Leuten, die Frieden und Wohlstand ungestört genießen, setzt ihn in einen Zustand, der ihn sein eigenes unglückliches Leben nacherleben läßt: Verwaisung, Leben bei Pflegeeltern, fehlgeschlagene Versuche, die Liebe der in Prag als Schauspielerin lebenden Tante zu gewinnen usw. Vordergründig scheint der Krieg nur als eine weitere von negativen Erfahrungen. Durch die Erinnerungen jedoch bekommt er ein anderes Gesicht: Die intensiven Kriegserlebnisse scheinen plötzlich helle Empfindungen zu wecken. Es stellt sich heraus, dass die einengende kleinbürgerliche Umwelt die Kraft eines Katalysators besitzt. Es ist die Welt, in der Haman Liebe, Vergebung und den Willen zum einfachen menschlichen Glück entdeckt. Und er entdeckt Irma Naglic. Für Karol Lipnik dagegen ist der Verzicht auf das „einfache Glück“ der Preis, den die Kunst von ihm verlangt.

Das Werk ist eine der besten Familienchroniken Sloweniens. Die subtilen Beobachtungen der Details und das Bloßlegen der Seelenzustände der Handelnden offenbaren das Feingefühl Proustscher Literatur, in der ein kleiner Teil der Geschichte immer auch eine Metapher der Gesamtheit der beschriebenen Welt bedeutet. Verblüffend ist die Lebensweisheit, die den Roman in die zeitgenössische Klassik einreiht. Er umfasst den Zeitraum vom Ersten Weltkrieg an; die Verschiebungen durch den Zusammenbruch der Habsburgermonarchie, die Anfängen Jugoslawiens und die Launenhaftigkeit des Schicksals führen schließlich zur unausweichlichen Auflösung.

 

Katarina Marincic, geb. 1968. Gymnasium in Ljubljana. Studium der Romanistik und Anglistik (1988-1993). 2000 Doktorat in Ljubljana über Balzac, 2004 Dozentin für französische Literatur in Ljubljana. Prikrita harmonija (Die Verborgene Harmonie) wurde 2001 mit dem Kresnik-Preis für den besten Roman des Jahres in Slowenien ausgezeichnet.