Pahor Boris: Die Wiege der Welt

Pahor Boris: Die Wiege der WeltRoman, übers. a. d. Slowenischen v. Reginald Vospernik
 
Art.Nr.:30
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Der Roman enthüllt am Beispiel der beiden Protagonisten, des 65-jährigen ehemaligen KZ-Häftlings Igor Sevken und der in den französichen Vogesen beheimateten 30-jährigen Ärztin Lucie die bittere Geschichte zweier durch schlimme Lebenserfahrungen gezeichneter Menschen. In Igor erkennt man die Lebensgeschichte des in Triest beheimateten Boris Pahor, der von den Nazis im 2. Weltkrieg in mehreren KZs interniert war. Eine Retrospektive, die er in einer französischen Zeitschrift veröffentlicht, regt Lucie an, mit ihm in brieflichen Kontakt zu treten. Aus der ersten Begegnung in Paris wächst eine leidenschaftliche, schmerzhafte Liebesbeziehung, über der für Igor der Schatten einstiger Lagertage, für Lucie ihre bittere Missbrauchserfahrung durch den autoritären eigenen Vater und eine die Wahrheit negierende Mutter, die selbst einst missbraucht worden war, schwebt.

Der in Triest lebende Igor erlebt durch die Begegnungen mit Lucie in verträumten Restaurants und Cafes an der Seine in Paris, in Strassburg und am Genfer See seine und seiner aus der Erinnerung heraufkommenden Mitstreiter durch den sprachimperialen und assimilatorischen italienischen Faschismus geprägte Geschichte wieder. Die Bucht von Duino und die Weite des Meers um Triest ist für ihn ein sicherer Ankerplatz in einer unsicheren Welt. Auch Lucie ist, ähnlich wie Igor, »ein Flüchtling in ihrer eigenen Heimat«, dem patriarchalen Dorf in den Vogesen in unmittelbarer Nähe zu Igors Marterlager.

Nach dem gemeinsamen Besuch beider Orte in den Vogesen, in ihrem Heimatdorf und in jenem Ort mit dem Stacheldraht rund um die Baracken gibt es trotz der dunklen Vergangenheit Optimismus in beiden geschundenen Seelen. Igor stellt angesichts des italienisch-slowenischen Zusammenlebens in und um das multikulturelle Triest fest, dass nur auf diesem Miteinander »die einzig weise Zukunft Europas aufgebaut werden kann«, und Lucie verbindet mit Igor die schöpferische Kraft des Schreibens, die in einer von beiden als Vergangenheitsbewältigung konzipierten Trilogie, wie sie es nennt, münden soll. In einem letzten Brief, den er Lucie schreibt, wünscht Igor sich in Erinnerung an tiefe Begegnungen, diese neue Ausrichtung des Lebens möge für Lucie noch nicht so bald kommen. Die weibliche Körperlichkeit wird im vorliegenden Roman Pahors als weltsinnstiftendes Element entdeckt, als Wiege der Welt, der Kultur und Zivilisation.