Idiew Zambulat: Spiele hinter Stacheldraht

Idiew Zambulat: Spiele hinter StacheldrahtErzählungen aus Tschetschenien, übersetzt aus dem Russischen von Marianne Herold
 
Art.Nr.:36
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In dramatischen Geschichten vergegenwärtigt der Autor den Tschetschenien-Konflikt und das dadurch entstandene Leid. Filmartig verdichtete Szenenfolgen und Dialoge schaffen atmosphärisch Nähe. Subtil eingeflochtene Passagen geben Einblick in historisch, kulturell und literarisch wichtige Zusammenhänge. Die Novelle Spiele hinter Stacheldraht beruht auf einer wahren Begebenheit. Zwei Brüder werden wegen angeblicher Beteiligung an einem Überfall auf einen russischen Kontrollposten verhaftet. Der Vater könnte die Freilassung des einen erwirken, wenn er im Gegenzug den andern dem Kriegsgericht auslieferte. Weder der Vater noch die Brüder können diesen menschliche Kraft übersteigenden Entscheid treffen. Im  berüchtigten Filtrationslager von Grosny werden sie Opfer von Zynismus und Gewalt. Die Erzählung Der Gefangene spielt in den tschetschenischen Bergen. Beim Besuch seines zerstörten Heimatdorfes gerät ein junger Bursche unerwartet in die Fänge eines wilden Hundes. Während zwei bangen Tagen misslingt jeder Fluchtversuch. In Selbstgesprächen und Auseinandersetzungen mit dem Hund gehen ihm Episoden aus seinem Leben und Gedanken zur Identität der Tschetschenen durch den Kopf. Zum Schluss nimmt die Geschichte eine überraschende Wende. Die Erzählung Der Heiratsantrag des Drachen knüpft an ein kaukasisches Märchen an, das Bedrohung und Unheil evoziert. Die Hauptfigur, der Sohn einer traditionsbewussten tschetschenischen Familie, steht im Spannungsfeld zwischen russischen Besatzern, tschetschenischen Kollaborateuren und islamischen Widerstandskämpfern. Ein russischer Offizier begehrt seine Schwester zur Frau. Um das Verhängnis abzuwenden, sieht der Bruder nur einen Ausweg.

 

Zambulat Idiew wurde 1964 in Grosny geboren. 1989 schloss er sein Literatur-Studium in Moskau ab. Während der Tätigkeit am tschetscheno-inguschischen Zentrum für Geisteswissenschaften veröffentlichte er in der Zeitung Wast Artikel zu Literatur und Bildung sowie erste Erzählungen und Gedichte. In den 90er Jahren wurde er in die politischen Ereignisse hineingezogen. 1996, nach Ende des 1. Tschetschenien-Krieges, war er Mitbegründer der Vereinigung Echo, die Sendereihen über Krieg, Geschichte und Kultur konzipierte und Dokumentarfilme drehte. Als 1999 der 2. Tschetschenien-Krieg ausbrach, floh er nach Georgien und arbeitete in Tbilissi für die Zeitung Kaukasischer Akzent; er schrieb und veröffentlichte Gedichte sowie die Novellen Der Heiratsantrag des Drachen und Spiele hinter Stacheldraht. Seit 2003 lebt er in Belgien.