Marangou Niki: Von Famagusta nach Wien

Marangou Niki: Von Famagusta nach WienDie Geschichte eines Arzters aus Zypern. Übersetzt von Scharnhorst, Martin
 
Art.Nr.:103
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Das Buch handelt von der Geschichte eines von der Medizin besessenen Zyprioten, der vor dem 2. Weltkrieg in Österreich studierte, um später einer der ersten Wegbereiter für die Wissenschaft in seinem Heimatland zu werden.  Schlicht und mit offenkundiger erzählerischer Leichtigkeit geschrieben, entrollt das Buch von Niki Marangou die Geschichte ihres Vaters, von den ersten Jahren seines Studiums in der österreichischen Hauptstadt bis in die Zeit seines Wirkens als Vorstand der chirurgischen Abteilung des allgemeinen Krankenhauses in Lefkosia. In sechs Kapiteln wird aus nächster Nähe der Weg des Jiorgos Marangos von Ammochostos, Zürich und von Wien nach Athen, Lemesos und Alexandria verfolgt. Hautnah war in Wien der aufkommende Nazismus, konnte man nur wenige Meilen von ihm entfernt, auf der von Engländern verwalteten Insel Zypern, den Einmarsch der deutschen Truppen in Griechenland erleben. Marangou illustriert in lebendigen Farben die Kriegsatmosphäre dieser Zeit, welche die Erzählung aus der Reflexion heraus eine hohe Güte erreichen lässt; es wird deutlich, was die Figuren zu Beginn befürchten und was sie später aus Zeitung und Radio über das Blutbad, welches die Naziherrschaft über ganz Europa bringen wird, erfahren sollten.

Gelungen zeichnet Marangou die bürgerliche Umgebung der zentralen Hauptfigur, das musikalische Wien, das im Umgang mit den Ausländern strenge Zürich, das lärmende aber arme und für alles Mögliche unvorbereitete Athen, das sinnliche Alexandria sowie das provinzielle, unter britischer Herrschaft stehende, aber lebendige und immer offen gegenüber Innovationen und neuen Gegebenheiten seiende Zypern. Zu den Errungenschaften Marangous dürfen auch die Biographien ihrer zentralen Charakter gezählt werden: der lerneifrige, auf die wissenschaftliche Forschung und auf die Bedürfnisse der Kranken gerichtete Wiener Arzt, welcher aber auf Grund  seines reichen Liebeslebens der Heiterkeit und des Vergnügens entbehrt, aber auch die Krankenschwester Kaiti Chasapi, die mit ihrer offenen Denkweise, ihrer praktischen Besonnenheit und ihrem herzlichen Temperament sein Herz gewinnt.

Sorgfältig gezeichnet sind auch die Nebenfiguren des Buches, die die Erzählung funktionell bedienen und deren Sparsamkeit maßvoll entsprechen. Ohne Sentimentalität und Übertreibungen in einer Angelegenheit, welche Marangou direkt aus ihrer Familiengeschichte schöpft, vermittelt sie ein dicht skizziertes, mit besonders wirksamen Stilmitteln geschriebenes Gesamtbild.

 

Niki Marangou, geb.1948 in Limassol, studierte von 1965-1970 in Berlin Soziologie und arbeitete als Bühnenautorin für das zypriotische Staatstheater. Sie lebt und arbeitet als Buchhändlerin und Autorin in Nikosia. Von ihr sind folgende Werke in Übersetzungen erschienen: „Selections from the Divan“ (Levkosia 1948), „Und sie feierten Hochzeit“.Märchen aus Zypern (Köln 2001) u. „Recipes for Katerina“ (Lefkosia 2003). „Von Famagusta nach Wien“ erschien bereits in englischer, bulgarischer und rumänischer Übersetzung. 1999 erschien Joachim Sartorius` Buch „Alexandria“ in ihrer Übersetzung in Athen.