Voranc Prežihov: Jamníca. Das Dorf in der Mulde. 3. Teil

Voranc Prežihov: Jamníca. Das Dorf in der Mulde. 3. Teilaus dem Slowenischen übersetzt von Jozej Strutz, Bd. 3, ISBN978-3-902878-31-1, 212 Seiten, 2014
 
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Der 3. Band von Prežihov Voranc‘ JAMNÍCA zeigt den sukzessiven Zerfall gesellschaftlicher Ordnung angesichts der politischen Verrohung der beginnenden 1930er Jahre, aber auch das Aufbäumen und den Widerstand einzelner Kommunen gegen die fortschreitende politische und wirtschaftliche Instrumentalisierung der Menschen. Die Resignation vieler Teile der Gesellschaft ist die Folge der Korruption und der daraus resultierenden Krise, die sich von der Wirtschaft auf alle Bereiche des Lebens ausdehnt und in welcher die Menschen nicht den Schritt zu Solidarität und sozialem Ausgleich wagen, sondern sich in Ängste und Fetische, wie Macht, Religion und rücksichtlosen Egoismus, flüchten. Das „Dorf in der Mulde“ wird zum Spiegelbild europäischer Hilflosigkeit angesichts des rigiden Konkurrenzdenkens, das keine gesellschaftliche Utopie als Leitbild zulässt, aber im Menschen eine diffuse Sehnsucht nach ursprünglichem Glück erzeugt.

 

(…) Der Aktionär Obertauc versuchte ihn mit verschiedenen Ausreden zu beruhigen, er sprach von kaufmännischen Regeln und Pflichten, über die Krise, die schuld an allem sei, und bot ihm noch Wein an. Doch im alten Mann kam so ein Zorn hoch, dass er von all dem nichts mehr hören wollte. Er war nicht nur über den Obertauc wütend, sondern auf alles, was so ohne jede Rücksicht gegen Anstand, Recht und Ordnung verstieß, was die Welt zerstörte und alles zusammen auf den Kopf stellte. Munk erhob sich und begann, Schritt für Schritt, auf die Türe zuzugehen; dann schrie er los:

„Das ist Betrug, was ihr da treibt, ganz normaler Betrug. Die Bauern sollen alles verlieren, was ihnen gehört, was sie sich hart erarbeitet haben. Deshalb also sollen die Bauern von ihrem Grund weichen, deshalb ist der Perman baden gegangen, deswegen ist mein Sohn Bunk pleite gegangen mit zehn Kindern … Wisst ihr, was ihr da tut? Euch selbst grabt ihr die Grube! Ist es nicht verwunderlich, dass heutzutage die Leute nicht einmal mehr an Gott glauben, dass sie an nichts mehr glauben …? Denk einmal, mein Sohn, der Bunk! Zehn Kinder, zehn Keuschen, zehn Menschen auf der Straße … Gut, macht nur so weiter, ihr werdet schon sehen, wohin ihr kommt …“

 

Prežihov Voranc (ps. Lovro Kuhar), 1893 in Kotlje/Köttlach in Südkärnten geboren, arbei­tete auf dem Hof seines Vaters und als Zimmerer. Im 1. Weltkrieg desertierte er 1916 und wurde in Italien interniert. Ab 1919 lebte er wiederum in Kotlje und Ravne, verwaltete die Ge­werkschaftskasse des Stahlwerks in Ravne. Von den Behörden des Königreichs Jugosla­wien (SHS-Staat) als Sozialagitator denunziert und verfolgt, flüchtete er im Mai 1930 nach Österreich, lebte in Augsdorf bei Velden und in Wien, wo er als Gewerkschaftssekretär tätig war und mehrfach arretiert wurde. Er wur­de Vorstandsmitglied der Komintern und übersiedelte 1937 nach Paris. 1939 musste er nach Jugoslawien zurückkehren, lebte auf der Flucht und widmete sich dem Schreiben. Als 1941 die Nazitruppen das Land besetzten, führte er den Wider­stand gegen das Nazi-Regime an. 1943 wurde er verhaftet und ins KZ Sachsenhausen, später nach Mauthausen deportiert, wo ihn im Mai 1945 die Amerikaner befreiten. Ab 1945 lebte er als freier Schriftstel­ler. Er starb 1950 in Maribor an den Spätfolgen der Internierung. Die Jamníca-Trilogie wurde von Jozej Strutz übersetzt.

Bei Kitab außerdem erschienen:

Prežihov Voranc: Winter in Klagenfurt, Drei Geschichten, 2012, Aus dem Slowenischen übers. von Jozej Strutz, ISBN 978-3-902878-10-6, 157 S., 16,-

Prežihov Voranc: Jamnica. Das Dorf in der Kärntner Mulde, Bd. 1, 2013, ISBN 978-3-902878-12-0, 16,-

Prežihov Voranc: Jamnica. Das Dorf in der Kärntner Mulde, Bd. 2, 2013, ISBN 978-3-902878-16-8, 16,-