ALLEIN
Ich schließe die Türen hinter mir zu,
ich schließe die Türen
hinter dem Mond, den Sternen, den Blumen,
ich schließe die Türen hinter den Vögeln,
die Türen hinter den Gärten,
allein wie der Wermut
blühe ich meine Traurigkeit,
allein wie das Meer
ruf ich die Kraniche Sehnsucht,
allein wie der Wind
sing ich die Psalmen des Todes, der Liebe,
ich schließe die Türen,
ich schließe die Türen mit wunden Lippen,
mit Händen, durchstochen bis an die Seele.
Seiner langjährigen Freundschaft mit dem Grazer Lyriker Alois Hergouth (1925-2002), dem Dichter von „Sladka gora“, verdankt sich der Band „Holunderstunden“, der im Jahr 1983 erstmals erschienen ist. Er bietet, in der Nachdichtung Hergouths, einen Querschnitt des bis dahin entstandenen lyrischen Werkes von Kajetan Kovic, eine poetische Summe aus drei Jahrzehnten. Der Band versammelt Gedichte in Strophenform mit solchen in freien Formen. Gemeinsam ist ihnen allen eine elementare Bildlichkeit, ein aufrichtiges, humanes Pathos – das auch im Deutschen nichts an Kraft einbüßt – und ein hohes Maß an bezwingender Musikalität.
In Kajetan Kovic’ Gedichten wird die Welt weit, ist die Kindheit, in ihrem Zauber wie in ihrem Schrecken, ständig anwesend, verwandelt sich Vergangenheit in endlose Gegenwart, und jedes Ding erscheint in ihnen wie neu geschaffen und von Grund auf wertvoll. Es sind die Gedichte eines Autors, der, anstatt sich von der Welt abzuwenden, sie immer neu in seinem Wort erschafft.
Christian Teissl
Rez. vom 24.8. im "Delo" Ljubljana