Witterungen. Materialien zu Engelbert Obernosterer

Witterungen. Materialien zu Engelbert ObernostererFährten, Stimmen, Texte Hrsg. v. Fanta, Walter / Herzmansky, Katharina / Pölzl, David
 
Art.Nr.:8
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SEELENVERSTÖRUNG - SCHREIBEN GEGEN DEN MYTHOS VON DER KÄRNTNER SEELE
Engelbert Obernosterer feierte 2006 seinen 70. Geburtstag. Mittlerweile blickt er auf ein Werk von mehr als zehn Büchern zurück. Aus diesem Anlass gab das Robert Musil-Institut einen Materialienband in Auftrag. Obernosterer taucht in eine Welt ein, in der alles Schein und Trug ist und bringt jegliche Idylle, indem er sie als Konstrukt konstruiert, um sie anschließend zu dekonstruieren, zum Fall. Sein Mittel dazu ist die Konzentration auf das Einzelne im Ganzen: "Man sieht Dinge immer samt ihrer Umgebung an und hält sie gewohnheitsmäßig für das, was sie darin bedeuten. Heben sie sich aber einmal heraus, so sind sie schrecklich und unverständlich, wie es der erste Tag nach der Weltschöpfung gewesen sein muß, ehe sich die Erscheinungen aneinander und an uns gewöhnt hatten." [ Musil, TRIEDERE!, 1926]. Musil instrumentalisiert dieses visuelle Verhalten mit Hilfe des Triëders. Eine räumlich begrenzte Sicht, in der er die Dinge nicht nur klarer, sondern in einem gänzlich anderen Kontext sieht: "Gott macht die Welt und denkt dabei, es könnte ebensogut anders sein." [Musil, Der Mann ohne Eigenschaften]. Dieses Zitat ist gegen unseren Wirklichkeitssinn, der sich Begriffe wie real und irreal einverleibt hat, gerichtet. Auch Obernosterer geht gegen eine solche Wirklichkeitsvorstellung vor. Obernosterer kreiert diesen räumlich begrenzten Blick, indem er einerseits den Dingen auf den Grund geht, ab Grün. Eine Verstrickung den eingeschränkten Blick durch das Fenster einfügt. Ebenfalls seit Grü. kommt es im Laufe dieser Vorgehensweise immerzu zu Zweifeln am Tun des Erzählers. Solche sind auch Musil nicht unbekannt: "Es zeigte sich, daß ein Fernglas ebenso gut zum Verständnis des einzelnen Menschen beiträgt wie zu einer tiefen, und wenn man so sagen darf, stuporösen Verständnislosigkeit für das Menschsein." [Musil, TRIEDERE!, 1926]. Auch was die Vermittlungsinstanzen betrifft, können Musil und Obernosterer in einem Atemzug genannt werden: "Gewisse Mittlerschichten, die anscheinend unentbehrlich sind, haben sich immer von mir ferngehalten." [Musil, Aus einem Nachlassmanuskrip]. Das Buch hat zum Ziel, dass es Obernosterer zu Lebzeiten besser ergehen möge als Musil - sofern es nicht schon zu spät ist. Die literaturwissenschaftlichen Beiträge führen in Obernosterers in ihrem dekonstruktiven Ansatz zum Teil schwierige Texte ein, unternehmen eine Ortsbestimmung seines Schaffens und weisen dem Autor den Platz in der Reihe der großen Kärntner Autoren zu. Zu finden sind in dem Band auch wichtige Stimmen der Kritik von 1975 bis 2006. Würdigungen von Autor/inn/en wie Gustav Janus, Florjan Lipus, Alexander Widner, Simone Schönett, Fabjan Hafner und bekannten Obernosterer-Lesern wie Bernd Schilcher bezeugen einen produktiven Dialog mit seinen Texten. Aus unveröffentlichten Manuskripten stammen sechs Gedichte und ein Schultheaterstück. Abgerundet wird der Band durch eine umfassende Darstellung der bisherigen Rezeption des Kärntner Schriftstellers.