Gindl Winfried : Schwarzer Spanier, Babalu und der Bluatige 1981

Gindl Winfried : Schwarzer Spanier, Babalu und der Bluatige 1981
 
Art.Nr.:28
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Der Ich-Erzähler der Geschichte, Peter, ein Student, geht mit seinem Freund Said, dessen Bruder Masoud ­und deren Cousin Basim zu spätabendlicher Stunde ins Restaurant Schwarzer Spanier in der Wiener Schwarz­spanierstraße essen.

Said, Masoud und Basim sind Emigranten: Mitglieder einer linken Gruppierung, was sie während der Revolution natürlich nicht mehr wie zuvor unter dem Schah-Regime verborgen haben: deshalb mussten sie nach der Machtübernahme durch die Mullahs flüchten; Basim arbeitet als Chirurg am AKH, wie die anderen beiden dort leben, verrät der Text nicht – er lässt überhaupt einiges über die Protagonisten im Unklaren und manche Dinge werden nur so en passant erwähnt, weil sie sich sozusagen vor dem Einsetzen der Erzählung ereignet haben.

Im Lokal ist es ziemlich düster, der Raum ist beinahe nur von Kerzen in großen dreiarmigen Kandelabern beleuchtet, und die ganze Szenerie – eine größere Abendessgesellschaft, für die eine lange Tafel aus mehreren Tischen angelegt wurde und ein paar vereinzelte Gäste sind noch anwesend – bildet sich in einer großen nachtschwarzen Auslagenscheibe ab, die zur Straße hinaus zeigt.

Die vier reden über sich, ihre Erfahrungen, und dabei vor allem über die Iranische Revolution, über Straßenproteste, Machtkämpfe und Erlebnisse während solcher Wirren, den Sinn oder Unsinn von Umstürzen, über Hinrichtungen, Flucht und Emigration, und Peter versucht, sich auf all das und seine eigene Situation als jemand, dem die „Schlachtbank der Geschichte“ bisher selbst erspart geblieben ist, und als jemand aus der zweiten Generation nach der Nazizeit irgendeinen Reim zu machen, aber sie reden auch über zivilere Themen wie Karriereplanung, Lebensläufe, Liebesbeziehungen, psychische Probleme, Sozialismus und aktuelle technische Entwicklungen, und natürlich zwangsläufig über die Unterschiede und Verbindungen der verschiedenen Lebenswelten, die sich aus der jeweiligen gesellschaftlichen und historischen Situation ergeben, und sie reden von Schicksalsverläufen, davon, was Zufälle und Rätselhaftes in diesen für Rollen einnehmen …

Und alles spielt sich immer gleichsam in einem Paralleluniversum ab: zum einen in dem, was Peter – der zunehmend besoffener wird und dessen Apperzeption dadurch stärker von Stimmungen bestimmt ist oder gar sozusagen einer gewissen Perzeptivierung unterliegt – wahrnimmt, denkt, reflektiert, kommentiert, und zum anderen in dem, was man daraus und aus dem, was die anderen sagen, für eine objektivere Wirklichkeit ableiten kann …

 

 

Winfried Gindl, geb. 1962 in Klein St. Paul (Kärnten), Verlagslektor, gelegentlich Konzeptkünstler.

Publikationen: Der Rest der Welt (Erzz., Alekto 1993); Yoga light oder Die Prostata ist in Ordnung (Gedichte,  Alekto 1995); Peepshow / 25 % mehr Inhalt gratis (Konzeptuelle Gedichte, Sisyphus 1995); Aufbruch, Gott, Hertha (Roman, Resistenz 1999); Maria Elend (Roman; Kitab 2007); DAS IST KEINE KUNST (Konzeptkatalog, Klagenfurt 1995); Textiltheater /Politische T-Shirts (Katalog zur gleichnamigen Aktion, Klagenfurt 1999).