Obernosterer Engelbert: Ortsbestimmung

Obernosterer Engelbert: Ortsbestimmungmit einem Nachwort von Dieter Zessinig
 
Art.Nr.:29
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Eigentlich ist der Ort der Handlung das Bewusstsein. Aus ihm tauchen dörfliche Strukturen auf, Eindrücke von Kirchtagen, Beobachtungen an Rübenbauern: sakrale und profane Riten, deren existentieller Wert sichtbar gemacht wird. Aus dem Abgrundbesitzer machen sie einen Grundbesitzer. Die kirchlichen Riten werden dabei ebenso sachlich auf ihren Tragwert hin untersucht wie etwa die der Mäher oder auch der Säufer und Raufbolde. Die Folge der Rituale ist: Der Tod verliert seine Schrecken, wenn jemand eines „normalen“ Todes stirbt. Diese Sterbensweise einst macht den in ihr Enthaltenen lieb und teuer.

 

An Tagen mit Heuwetter muss auch die Bäuerin aus dem Haus und geht mit den anderen Hausleuten nahtlos in die Felder über. Ob Männer- oder Frauenarme, alle packen nach Kräften zu, Wagen mit Kindern obenauf wackeln über gefährlich hängende Wege den Häusern zu und zwängen sich durch die Scheunentore. Auf allen Feldern gabeln an so einem Tag die Gabeln und rechen die Rechen, wobei das so genannte Menschliche in den Hintergrund geschoben wird, weil die Men­schen zu Gabelnden und Rechenden werden.

Da ist kein Platz für das Denken und Wollen einer Einzelperson. Selbst wenn der Bauer meint, er sei es gewesen, der die Notwendigkeit der Arbeit erkannt und sie angeschafft habe, so war es letztlich die Witterung, die alle Arbeitsfähigen zeitiger als an anderen Tagen auf das Feld getrieben hatte; gewiss, sie hatte sich auch des Gehirns und der Stimme des Bauern bedient, so dass er am  Morgen durchs Haus kommandiert hat, als ob niemand außer ihm wüsste, worum es geht; eigentlich aber hätten die Hausleute auch ohne ein Wort von ihm gewusst, was an einem Tag wie diesem zu tun ist.eutagHeutag

Einen jungen, vom hiesigen Wirtshauswesen abgestoßenen Menschen, wird man verstehen und loben, wenn er von Kind auf jeden Groschen zusammen legt, damit er sich einmal ein Auto leisten kann, um damit dorthin zu fahren, wo es ihn hinzieht. Aber man wird auch in seinem Falle schwarzsehen, denn wie weit er auch ins Land hinaus fährt, überall wird in rauchigen Stuben Bier und Schnaps getrunken, überall reißen noch einige an den Stricken, an denen sie festgepflockt sind, überall reden sich einige aus ihrem Schlamassel heraus und gebärden sich als Freiheitshelden, bis sie das Pulver ihrer großen Worte verschossen haben und nur noch sinnloses Zeug lallen, überall starren die Trinker in die klug kalkulierten Ausschnitte der Kellnerinnen, zahlen und fahren weiter.