Hartinger Ingram: Spätes Argument

Hartinger Ingram: Spätes Argument
 
Art.Nr.:120
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Zu dem Gedichtband "Spätes Argument" von Ingram Hartinger

 

 

In der vorliegenden Gedichtsammlung Ingram Hartingers begegnet man einem Ich, das sich fortwährend abschafft, um sich neu zu erfinden, das anwesend ist, um seine Abwesenheit zu bekräftigen und das seine Abwesenheit verzeichnet, um anwesend zu sein. Dieses Ich, teils Phantom, teils ansprechbares Gegenüber, weiß alles, ohne es zu wissen. Es verspürt die "Neige hin zum Boden", erlebt das Ende seiner Welt in jedem Augenblick und fängt doch mit großer Entschiedenheit immer neu an. Das Anfangen ist  so scheint es  sein eigentlicher Beruf.

 

Der Mensch, der sich hier artikuliert, verrichtet, maskiert und im All-Tag verborgen, sein Tagewerk, das allerdings sofort in "Tage und Werke" zerfällt; er beobachtet sich und sein ständiges Sterben, ist "Registrator des eigenen Unsinns" und registriert dabei die exakte und unerbittliche Arbeit des Todes: "Der Tod/ Arbeitet hart und äußerst verbissen".  Was von seinem zerfallenden Tagewerk übrig bleibt, ist ein "Werk von Zetteln", ist der Stoff, aus dem diese Gedichte sind.

 

Hartingers Gedichte kommen ganz aus dem Protest; sie protestieren daher auch gegen ihre eigene Existenz, indem sie umso entschiedener an ihr festhalten. ("Ein störrischer Fakt - dies Schreiben", heißt es an einer Stelle.)  Jeder Entwurf einer Geschichte wird in diesen Gedichten mit einem Gegenentwurf erwidert, jede Biographie mit einer Gegen-Biographie. Sobald sich hier eine Stimme erhebt, wird eine zweite, dritte und vierte Stimme vernehmbar, die die erste bald verstärken, bald aber auch sich gegen sie wenden. So entsteht ein dichtes Stimmengewebe, das sich "zwischen exzessivem Schrei und verbittertem Schweigen" erstreckt und die Welt auffängt.

 

In der Kunst des Unmöglichen geschult und mitten im Sirenengesang der gegenwärtigen Literatur, spricht der Dichter gleichsam wie nach dem Abendessen: "Tagsüber die Geschäfte und abends an mehreren unvollendeten Gewässern - also Tinte des Abends, des Spätseins, des Kargen. Jetzt fällt dir ein, was du zum trotzmaligen Geheimnis Dichtung zu sagen hast - nichts! Der Notdurft Sprache bist zuvorgekommen und behältst deinen Augenblick, dein Jetzt im Liebeskummer. Besser gesagt - jener Augenblick, niemals wird er wiederkommen, er behält sich selbst. Du machst dich, um nicht verrückt zu werden, lachen, pfeifen und weinen. An diesem noch frühen Abend wird der Himmel in lüsternen Wellen zum licht- und schattenbündelnden Panoptikum, und eigentlich bräuchtest du keinen Hoden mehr. Wozu brauchst du dann noch dein Gedicht?" So spricht er also, dieser verrückte Dichter und er träumt von einem, den es gegen Osten zieht. Und redet vom Himmel auf dem Buchdeckel. Er weiß nicht, was er in seinem Inneren noch aushecken wird. Hund ist er, im Hinterhof - nec spe nec metu. Was sagt die Leserin dazu?

 

Ingram Hartinger geb. 28.12.1949 in Saalfelden / Salzburg; studierte Romanistik und Psychologie in Salzburg, mehrjährige Auslandsaufenthalte u.a. in Italien, Frankreich und Südamerika, Mitarbeiter von Franco Basaglia in Triest, lebt seit 1980 in Kärnten, ist klinischer Psychologe und Psychotherapeut. Veröffentlichungen u. a.: "Schöner Schreiben" (1986); "Das Auffliegen der Ohreneule" (1993); "Gelb. Eine Eskapade" (1998); "Über den Versuch" (1999). 
9020 Klagenfurt Lilienthalstr. 32
Publikationsliste:
Schöner Schreiben. Prosa. Graz 1986 
Feige Prosa, Graz 1988
Roman Albino. Graz 1990 
Unwirsch das Herz. Gedichte, Salzburg 1991 
Amagansett. Gedichte. 1994 
Das Auffliegen der Ohreule. Prosa. Graz 1993 
Amagansett. Gedichte. 1994 
Hybris, Graz 1995
Dies die Hand. Gedichte. Ottensheim 1997 
Prosawetter. Entrechtungen, Klagenfurt 1997
Sagen. Eine Arbeit, Graz 1997
Gelb. Eine Eskapade. Wien-Bozen 1998 (auch japan.)
Über den Versuch. Essay, Graz 1999 
Ein Hoffnungshund, Klagenfurt 2001
Die Idee umkreist mich wie ein wildes Tier