Brunner Helwig: Nachspiel

Brunner Helwig: NachspielRoman
 
Art.Nr.:128
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Ort der Handlung ist eine österreichische Privatklinik, in der in wirtschaftlicher Abhängigkeit von einem Pharmakonzern Versuchsreihen mit Medikamenten durchgeführt werden. Der tyranni-sche Klinikchef, seine Laborleiterin, deren Ehemann, die Köchin der Spitalskantine und ein be-hinderter Hilfsgärtner kommen im Text zu Wort. Die Monologe dieser fünf Hauptfiguren - fünf Kapitel geben ihren von Mutmaßungen, Auslassungen und Irrtümern gekennzeichneten Ge-dankenfluss wieder - schüren zunächst den Verdacht, in der Klinik geschähen Kapitalverbre-chen in Form tödlich endender Experimente an Menschen. Dieser Verdacht, der eine Krimi-Handlung einzuleiten scheint, bleibt lange unwiderlegt, löst sich jedoch zuletzt in Luft auf; die Einzelschicksale und konfliktreichen wechselseitigen Beziehungen der erzählenden Figuren rü-cken zunehmend in den Vordergrund. Die innere Dramatik der im Text entfalteten Lebensrück-blicke und persönlichen Orientierungsversuche lässt die zunächst vordringlich erscheinende Frage eines möglichen spektakulären Verbrechens verblassen, noch ehe sie endgültig beant-wortet ist. Gerade weil der Leser/ die Leserin zuletzt weiß, dass nach den Maßstäben eines Kri-mis "nichts geschehen ist", bleibt ein umso nachhaltigeres Unbehagen gegenüber der erzählten Normalität des Klinikalltags mit seiner wirtschaftsliberalen Prägung, seinen ethischen Grenz-gängen, Machtstrukturen und sexistischen Repressionen zurück. Statt des vermuteten großen Verbrechens gibt es bloß die alltäglichen, kaum weniger schwer wiegenden Vergehen: manipu-lierte Forschungsergebnisse, rücksichtlose Bereicherung, sexuelle Übergriffe und eine grassie-rende Sprach- und Lieblosigkeit, die sich wie ein kalter Nebel über die isolierten Welten der Hauptfiguren legt.
Nachspiel ist ein Roman, der bewusst an der Grenze zwischen "E" und "U" angesiedelt ist und sich auf diesem Terrain der Theorie des postmodernen Romans anzunähern versucht. Mit sei-ner leichten Lesbarkeit und dem telegenen Sujet einer Privatklinik weist er Merkmale der popu-lären Unterhaltungsliteratur auf. Durch die gesellschaftspolitische Relevanz der Inhalte (das be-grenzte System der Klinik kann als Modell für gesellschaftliche Zustände gelesen werden), das Spiel mit unterschiedlichen Erzählpositionen und das lustvolle Unterlaufen der anfangs geweck-ten Erwartungen an den Handlungsverlauf wird jedoch durchaus auch ein anspruchsvoller Le-serkreis angesprochen.