Kocman Viktorija: Reigentänze

Kocman Viktorija: Reigentänze
 
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Wien. Neunziger Jahre. Eine Frau aus dem ehemaligen Jugoslawien, die ihre Muttersprache, aus Scham und Angst als Mitglied einer von Schuld beladenen Nation erkannt zu werden, nicht mehr spricht und sich gegegenüber den hier in der Immigration lebenden Landsleuten nicht zu erkennen gibt.

Belgrad. Eine prominente Therapeutin wird von einem rückkehrenden Soldaten aus dem Bosnien-Krieg heimgesucht, der sie auf grausame Weise mit der Realität der von ihr verdrängten Kriegsgräuel konfrontiert.

Wien. Eine junge Frau wartet darauf, eingebürgert zu werden, durch die strengen Fremdengesetze in die Halbillegalität gedrängt: "Immer denke ich daran, wie wunderschön diese Stadt ist, wie glücklich ich mich schätzen kann, hier sein zu dürfen, und ich frage mich, warum ich mich nicht freuen kann, warum ich so traurig bin, genauso wie alle anderen die ich auf der Straße sehe, obwohl ich mich über ihre Traurigkeit nur wundern kann."

Der Krieg manifestiert sich in den Texten Viktorija Kocmans nicht als entrücktes Schauspiel, das als Entertainment die Nachrichten besetzt hält. Vielmehr findet er in unseren Köpfen statt, nämlich dann, wenn wir uns im Vorbeigehen feindselig ansehen, wissend, das Gegenüber gehört den "anderen" an, durch seine Religion oder Herkunft dazu erkoren, nicht durch seine Taten.

Drei Geschichten von drei Frauen, zwischen Wien und Belgrad, die jede auf ihre Weise nach Identität ringen, ob als Immigrantin in Wien zwischen Assimilierung und dem Anschluss an die eigene Volksgruppe hin und hergerissen oder als Opfer einer kollektiven Verdrängung von Schuld im Serbien der neunziger Jahre. Ein Reigen von weiblichen Schicksalen wird in ihrer konfliktbeladenen Existenz dargestellt, deren Folie allesamt der blutige Zerfall Jugoslawiens bildet.

"Das Devastierende eines absurden und doch in der Anmaßung des Rechts geführten Krieges, die Blutspur der Gewalt im Zeichen der Ehre, es ging, so heißt es, um Vukovar, zwingt Kocman in Sätze, Bilder und Dialoge, die zum Eindringlichsten zählen, was je darüber gesagt und geschrieben worden ist. Kocman ist mit diesen drei Erzählungen zweifellos zu den stärkeren Stimmen im Umfeld der neueren Debuts zu rechnen, als Bereicherung nicht nur im sogenannten interkulturellen Umfeld."
Primus-Heinz Kucher, ide, 3/02

"Die für uns unbekannte Innensicht aus dem Serbien der Kriegsjahre bietet die zweite Erzählung. ... Diese Schicksale der drei Frauen auf dem Hintergrund des blutigen Zerfalls Jugoslawiens werden von der Autorin so eindrücklich beschrieben, dass man sich dem Ringen um Identität dieser Frauen nicht aus ruhiger Distanz entziehen kann, sondern in Betroffenheit hiningenommen wird."
Anna Sallinger, Bücherbord 27, 2002

"Viktorija Kocman ist dem Thema der Identitätssuche und -zweifel verpflichtet. In Belgrad geboren, übersiedelte sie 1991 nach Wien, studierte und wechselte die Sprache. Auch im Deutschen gelingt ihr literarische Qualität."
Veronika Hamer, 4. Dezember 2001 auf literaturhaus.at

"Das schmale Bändchen enthält die Lebensgeschichten dreier Frauen zwischen Wien und Belgrad, denen gemeinsam ist, dass der letzte Balkankrieg … ihr Leben entscheidend verändert hat. … Die drei Geschichten schildern eindrucksvoll, wie schwer die Folgen eines Krieges zu bewältigen sind."
Ida Hosner, in: Bücherschau 156, 2002, 43