Obernosterer Engelbert: Bodenproben

Obernosterer Engelbert: BodenprobenMiniaturen I
 
Art.Nr.:180
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„Ein bisschen weniger reden, ein bisschen langsamer schauen, und du hast wieder ein ganzes Land für dich allein.“

Die vorliegende Textsammlung beginnt mit kurzen, autobiographisch anmutenden Notizen zur Lage des Autors und seiner Umgebung, einem Provinzstädtchen samt Vororten. "Das Ich ist etwas Zeitloses; es wird nie alt. Es kann in meinem Falle nur nicht glauben, was alles sich an die drei Buchstaben angeheftet hat.“

Deutlicher umrissen wird die Figur, indem sie sich distanziert: von den tradierten Mustern des Denkens und Handelns wie auch von dem, was sie selber tut, besser gesagt: was mit ihr geschieht. Im letzten Abschnitt kommt der Autor auf seine Rolle als Spiegel der Gesellschaft zu sprechen, seine Beobachtungen des Kulturbetriebes im Besonderen.

Dies sind Proben aus dem Boden unter den Füßen eines Schriftstellers, der irgendwo in der österreichischen Provinz lebt. Die Feldwege sind von Entfettungsläufern verunziert, der Raps wächst von Brüssel aus, Urlauber keuchen zu einer Kapelle hinauf und beessen die Landschaft, mit der Peitsche der Klolosigkeit treibt man die aus den Bussen steigenden Senioren in die umliegenden Gasthäuser, in vorauseilendem Gehorsam räumt ein Musiker sich mittels eines Strickes aus dem Weg, die Trauer trägt man als schwarzes Kostüm mit dazupassendem Täschchen. … Registriert werden ferner: Existenzverstopfung, ehegeschädigte Gefühle, Selbstabholungen und dass die am tiefsten empfinden, die es zu den höchsten Ämtern gebracht haben.
 

Der Autor dieser „Miniaturen“ übt gnadenlose Selbstkritik an sich als Repräsentanten einer Gesellschaft, der er wenig Positives abgewinnen kann – und meint insgeheim uns alle. Als Bergbauernsohn liegt es ihm fern, das Landleben zu idealisieren, doch hat er einen umso schärferen Blick für Kultur- und Zivilisationsdünkel. Mit großer Sprachgewandheit deckt er Eitelkeiten und Verlogenheit, Vorurteile und Stumpfsinn auf, und zieht auch mit spitzer Feder gegen allgemein tolerierte Vergehen auf dem Gebiet des Tierschutzes und der Ökologie zu Felde.

(Gert Janusch in: Bücherbord, 28.Jg. 2004, 4. F.60)