Obernosterer Engelbert: Paolo Santonino

Obernosterer Engelbert: Paolo Santonino
 
Art.Nr.:170
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Theaterstück frei nach Aufzeichnungen aus dem Jahre 1485, anlässlich einer Visitations- und Firmungsreise des Bischofs Pietro von Caorle ins Gailtal

Der Jurist und Berater Paolo Santonino, der den Bischof Pietro von Caorle von Aquileja aus in die Talschaften Oberkärntens begleitet und dabei über Ernährung, Kleidung, Waffen, Berufe, Rechtsbräuche, hochstehende Personen und sonstige Beobachtungen Aufzeichnungen gemacht hat, ist mit seinen Sittenschilderungen der Ausgangspunkt für ein dramatisches Sittenbild jener Zeit – einer Wendezeit, in der jede Figur etwas vom Mittelalter an sich hat und etwas von der herannahenden revolutionären Zeit der Reformation.

Um die charakteristische Spannung zeigen zu können, wird ins Geflecht von Zustandsschilderungen eine erfundene Geschichte eingeschoben. Der Rechtspfleger Leonhard von Pittersberg schwängert eine sechzehnjährige Fuhrmannstochter. Ihr Vater klagt den Rechtspfleger an. Er wendet sich auch an den Bischof, der sich aber dem Konflikt mit der weltlichen Macht entzieht und so den Fuhrmann schwer enttäuscht. Der taucht beim Abschiedsessen in Prießenegg bei Hermagor wieder auf, um den Rechtspfleger öffentlich anzuklagen. Er wird auf Wink des Burgherren über eine Stiege hinab in den Tod gestoßen. Bischof und Burgherr bringen in ihren Reden zum Ausdruck, dass es besser sei, dass ein Einzelner stirbt, als dass die gesellschaftliche Ordnung ins Wanken gerät. Somit ist die Ordnung wiederhergestellt. Als der Bischof sich verabschiedet, fällt die sich vorher so edel zeigende Ritterschaft aus ihrer fadenscheinigen Rolle und zeigt, wie sehr sie moralisch und kulturell am Ende ist.

"Santonino: Über diese Begründung des Gebotes habe ich mich schon oft gewundert. Meiner Kenntnis nach hat Jesus nämlich eher couragiert als lang gelebt. Und ausgerechnet auf ihn berufen sich die Langleber.
Vend: Langleber? Was meinen Sie damit?
Santonino: So nenne ich Leute, die nur gesunde, für Hirn und Darm bekömmliche Gedanken in sich aufkommen lassen. Man könnte sie auch Gesundheitsdenker nennen. Sie verzichten auf die Höhen und Tiefen des Lebens, um es dafür in die Länge zu ziehen. Bis in alle Ewigkeit möchten sie ihre schalen, geistlosen Lebensformalitäten hinziehen. Ich vermute, dass sie es waren, die die Ewigkeit erfunden haben."