Struhar Stanislav: Eine Suche nach Glück

Struhar Stanislav: Eine Suche nach Glück
 
Art.Nr.:158
Lieferzeit:

 
inkl. MwSt (10%)

In den Warenkorb

Astrid Krauss, die Lektorin eines Wiener Verlages, wird auf der Straße von zwei Männern belästigt. Zu Hilfe kommt ihr David Kostka, ein ehemaliger Buchhändler einer Buchhandlung, in der sie Stammkundin war. Zwar verletzt sich David, aber er kann tatsächlich mit der Lektorin einen Abend verbringen. Seit Jahren weiß Astrid, dass sein Herz für Literatur schlägt, doch seine Leidenschaft, das Schreiben, bleibt ihr verschwiegen.

Astrid ist eine Vorarlbergerin, die einzige Tochter aus dem Hause zweier Volksschullehrer, die sich nicht vorzustellen vermag, den Kontakt zu ihrer Heimat jemals zu unterbrechen. David lebt seit sieben Jahren, nach dem Tod seiner Mutter, allein. Seine Mutter hat ihr Glück in ihrer neuen Heimat nicht gefunden; ihr sanftes Tschechisch bleibt in Davids Erinnerungen genauso lebendig wie Olmütz, das er gegen seinen Willen verlassen musste und seitdem nicht mehr sah.

Nach einer vorsichtigen Annäherung stürzen sich Astrid und David in eine leidenschaftliche Liebesbeziehung. Von Astrids Eltern wird David als ein neues Familienmitglied empfangen, Astrid äußert Interesse an der tschechischen Sprache und Küche, sie wird schwanger. Auch ihre gemeinsame Reise nach Olmütz würde vermutlich in Erfüllung gehen, wenn Astrid nicht zufällig Davids Manuskripte entdeckt hätte.

 

In "Eine Suche nach Glück" schrieb Stanislav Struhar in der ihm eigenen, einfühlsam-poetischen Sprache einen weiteren Roman, der seine neue Heimat im Drama der Details reflektieren lässt. Mit äußersten Lakonismus und großer Eindringlichkeit, die schon seine frühere tschechischsprachige Prosa auszeichnen, erzählt Struhar eine sowohl amüsante, als auch melancholische Geschichte einer Liebe, der an den Paradoxen der Zeit der Osterweiterung das Scheitern droht.


Im Schloss von Franz Kafka treten ab und zu zwei Trottel auf, die den Landvermesser in seiner Suche nach dem Glück im Schloss stören. An diese zwei Deppen muss man denken, wenn in Stanislav Struhars Roman zwei ausgerastete Männer aus dem Verlagswesen eine Frau belästigen, die gerade auf offener Straße geistig ein wertvolles Buch lektoriert. An dieser Stelle wird es für den Ich-Erzähler Zeit, einzugreifen. Er rettet die Frau vor der Belästigung und bringt sich selbst ins Spiel, indem er sich zwei Finger bricht.

Der Erzähler geht nämlich selbst Tag und Nacht mit der Last unveröffentlichter Romane durch Wien, er ist einst aus Tschechien geflüchtet und hat letztlich in Österreich keinen Boden unter die Füße gekriegt. Wir kennen alle Lyriker, die eine innere Melodie durchs Leben tragen und deshalb nicht mit der Welt kommunizieren können. Ähnlich ergeht es dem Ich-Helden. Seine Texte interessieren niemanden, sein Schicksal ist allen egal und seine tschechische Muttersprache ist mittlerweile sinnlos geworden.

In Stanislav Struhars Roman geht es nur vordergründig um ein Migrantenschicksal im literarischen Ambiente, an der Herzwurzel geht es ums Glück. Gelingt es, Urbilder aus der Kindheit ins fortgeschrittene Leben einzubauen? Gibt es eine Entwicklung, die über zerbrochenes Geäst der Erinnerung hinweg wuchert? Und im alten Kafka-Duktus formuliert: Was wäre dann gewonnen, wenn man das Glück hätte?

Der Ich-Held stürzt sich nach vorsichtiger Annäherung in eine heftige Liebesbeziehung, wie es so schön im Klappentext heißt. Der Held wird nahezu auf jeder Seite in sich selbst zerrissen, äußerlich ereignet sich etwas Lapidares wie eine Wanderung durch irgend eine Location von Wien, innerlich jedoch sind die Gedanken melancholisch, schwer sickert das Blut der Verzehrung aus jeglichen Gefäßen wie mitten im Herzbeutel getroffen. Die tschechische Sprache wird dabei zu einem Singsang der Rettung, leicht, leise, fern, von der Gegenwart der EU angekrustet.

„Eine Suche nach Glück“ ist letztlich eine Liebesgeschichte, die um die Liebenden herum mäandert in schmatzendem Gelände. Es geht um die Liebe, die Sprache, die Literatur. Wer sich auf diese Dinge einlässt, wird leicht schwermütig, aber es zahlt sich aus. Bei Stanislav Struhar gewinnt das Glück sogar die Oberhand, ein gutes Zeichen für die Welt.

Helmuth Schönauer 27/09/05

 

Grenzüberschreitungen zwischen Wien und Olmütz, einfühlsam beschrieben.

(Die Presse)

 

Konsequenterweise schreibt er daher seine Romane auf Deutsch, doch muss er feststellen, dass er für die Wiener immer noch ein Tscheche ist, der sich doch an die Verlage jenseits der Grenze wenden soll.

(Wiener Zeitung)

 

Was Buchhändlern und Lektorinnen so alles passieren kann: zum Beispiel, dass der Buchhändler die Lektorin vor pöbelnden Männern schützt. […] So geschehen in Stanislav Struhars jüngsten Roman, der sich die Beziehungen zwischen David, ehemaligem Buchhändler und heimlichen Autor, und Astrid, Lektorin, zum Thema macht.  Anzeiger des Hauptverbandes fes Österr. Buchhandels 5/2005

 

Mit "Eine Suche nach Glück" liegt ein Roman vor, dem man sein Anliegen durchaus abnimmt. Stanislav Struhar veranschaulicht die Probleme beim Ankommen im neuen Land (Einerseits fühlte ich mich nicht mehr fremd unter all den Menschen, deren Sprache sich von der meinen unterschied; andererseits schuf meine Muttersprache für mich stets eine Insel, auf der sich mein Herz nach der alten Heimat sehnte.), er beleuchtet und thematisiert eine Kulturpolitik, in der es gerade für ausländische Autoren schwierig ist, eine literarische Heimat zu finden. Dass sein Schreiben auf eigenen Erfahrungen basiert, kann man dem Autor nicht übelnehmen; dass dieses Schreiben jedoch schließlich zu einem Jammern über die eigene Situation ausartet, schon. Stanislav Struhar beschreibt die zermürbenden Bemühungen seines Protagonisten, seine Texte zu veröffentlichen; dabei wird man als Leser den Eindruck nicht los, hier spreche der Autor selbst, der entnervt seine Situation zu Papier bringe. Der jammernde, manchmal ironische und fast aggressive Ton zieht sich durch den ganzen Roman.

Rezension von Daniela Völker, Literaturhaus.at