Baum Wilhelm: Klagenfurt

Baum Wilhelm: KlagenfurtGeschichte einer Stadt am Schnittpunkt dreier Kulturen
 
Art.Nr.:186
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Nach einer ausführlichen Einleitung der Geschichte Klagenfurts im Mittelalter und der frühen Neuzeit befasst sich der Hauptteil des Buches mit der politischen, sozialen ökonomischen und kulturellen Entwicklung der Stadt Klagenfurt im 20. Jahrhundert.
Besonderer Augenmerk wird auf den Prozess der Demokratisierung des Wahlrechtes sowie die Entwicklung des Pressewesens, der Gewerkschaften und Parteien gelegt.
Nach dem Bau des Künstlerhauses 1914 kam es hierorts zu einer Blüte in der Malerei (H. Boeckl, Jean Egger, Anton Kolig, u.a.). Berühmt wurde auch die Auseinander-setzung um die Kolig-Fresken im Landhaussaal (1931), deren Zerstörung von den Nationalsozialisten verlangt wurde, was 1938 auch tatsächlich geschah. An zahlrei-chen Einzelbeispielen wird die gesellschaftspolitische Lage vor dem Beginn des Ständestaates in Klagenfurt gezeichnet.
Führende Exponenten des Kärntner Geisteslebens, wie die Dichter J. F. Perkonig und H. Strutz arrangierten sich sowohl mit dem Ständestaat wie den Nationalsozialisten. Wie Ingeborg Bachmann eindrucksvoll beschreibt, wurde die deutsche Wehrmacht 1938 begeistert begrüßt. Am 8. Mai 1945 schließlich wurde Klagenfurt gleichzeitig von den Engländern und den Partisanen befreit.
Dargestellt wird auch der Emanzipationsprozess der Kärntner Slowenen in Klagenfurt, besonders die Entwicklung des Presse- und Vereinswesens und die Verhandlungen um die Kulturautonomie 1925.
Bedeutende Persönlichkeiten wie A. v. Webern u. Peter Handke wurden während ihrer Jugend vom Klagenfurter Ambiente mitgeprägt. Die Galerie Kleinmayr erwies sich 1947 als ein Zentrum einer neuen, sich vom Ständestaat und vom Nationalsozialismus gleichermaßen distanzierenden Kultur (M. Guttenbrunner, M. Lassnig, M. Hölzer, Ch. Lavant).
Ein weiteres kulturelles Zentrum war der Tonhof Gerhard Lamperspergs, an dem auch T. Bernhard, H.C. Artmann, Konrad Bayer, Gerd Jonke, P. Turrini, J. Winkler u.a. teilnahmen.

"Der Historiker Baum … begnügt sich nicht mit einer bloßen Geschichte (die er übrigens locker und interessant vom Mittelalter bis zur Gegenwart erläutert). Wie ein Spürhund erschnüffelt er haargenau die Schwachpunkte seiner Wahlheimat, bohrt er in den Wunden von einst und jetzt und schreibt mutig, was Eingeborene höchstens nur andeuten. Minutiös sind die Klagenfurter Kulturskandale verzeichnet. … Aber auch der Hitler-Besuch im Juli 1938 und die Rolle des Dichters J.F. Perkonig werden genüsslich geschildert, auch die Arisierungen, die Aussiedlungen und der Zweite Weltkrieg sind nicht ausgespart. Baum geißelt das mangelnde Kulturverständnis der Klagenfurter im Streit um die Bahnhoffresken und vergisst nicht, die Dichter zu Wort kommen zu lassen: von Ingeborg Bachmann bis Werner Kofler. Man findet in diesem Buch Provinz und Aufbruch, Widerstand und Rückschläge und viel, viel Engagement - Ein hervorragendes Geschenk für kritische Geister!"
Ilse Gerhardt in: Kärntner Woche 47, 4.12.2002

"Baum hat mit seinem Buch eine kritische Hinterfragung jener Landesgeschichtsschreibung unternommen, die sich, wie es im Vorwort heißt, ‚redundant in der Apologie des Bestehenden erschöpft'. Ohne Fixierung auf die sogenannte Faktengeschichte, aber durchaus chronologisch, beginnt Baums Streifzug bei der Gründung des Stiftes Viktring und endet bei Ereignissen wie dem Bachmannpreis. Wie überhaupt das ganze Buch viel von einer Kulturgeschichte hat, mit zuweilen polemischen Anklängen."
Erwin Hirtenfelder in: Kleine Zeitung vom 15.12.2002