Bordoni Carlo: Heidegger und ein Paar Schuhe

Bordoni Carlo: Heidegger und ein Paar Schuheübersetzt u. hrsg. v. Reinhard Kacianka
 
Art.Nr.:214
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Carlo Bordoni, Ästhetiker in Florenz, setzt sich in diesem Buch mit der heidegger’schen Konzeption von Kunst auseinander. Die Erörterung der Stellung der Kunstbetrachtungen im Denken Heideggers nimmt ihren Ausgang von einem Paar Schuhe, denen van Gogh kunsthistorische Bedeutung verliehen hat. Die heidegger’sche Auseinandersetzung mit van Goghs Schuh-Zyklus hat den kunsttheoretischen Disput von Meyer Schapiro und von Jacques Derrida inspiriert. Bordoni würdigt die wesentlichsten Aspekte der widersprüchlichen Deutung dieser Schuhe und gelangt so zur Verortung des kunsttheoretischen Ansatzes Heideggers innerhalb seines Denkens von Sein und Zeit.

Diese Lesart von Der Ursprung des Kunstwerkes (dieser Heidegger Text ist in Holzwege publiziert) erhebt keinen Anspruch, der hermeneutischen Tradition folgen zu wollen. Dem ‚Minenfeld’ des philosophischen Diskurses enthoben, setzt die Auseinandersetzung mit Heidegger stärker auf die kunstsoziologische Analyse. Der Text ‚holt weit aus’, um die Tragweite der kunstphilosophischen Relevanz Heideggers aus einer breiteren Perspektive zu zeigen. Der Text erhebt gleichzeitig aber nicht den Anspruch, methodologisch und terminologisch zu fokussieren. Vielmehr stellt sich die Argumentation als ‚ausschweifend’ im wahrsten Sinn des Wortes: Sie schweift von üblichen Denkmöglichkeiten ab und in unbedachtes Neuland aus. Holzwege  - durchaus im Sinne Heideggers – eröffnen neue Denkansätze. Darüber hinaus ist der Text auch ein Versuch, Heideggers Denken, losgelöst von seiner Biographie, zu würdigen. Während im deutschsprachigen Raum Heidegger aufgrund seiner Verstrickung in den Nationalsozialismus zum Teil geächtet wird, ist sein Denken im romanischen Raum für zahlreiche Autoren relevant – verwiesen sei hier z. B. auf Derrida oder Vattimo. Bordoni versucht, Heidegger als „Übergangsmenschen“ zu porträtieren, dessen Denken in postromantischer Tradition einerseits im Beharren auf kultureller, regionaler Identität (terra) wurzelt , diese andererseits durch die relativistischen Tendenzen einer völligen Mobilmachung des Erdkreises (mondo) gefährdet sieht. Insofern kann Heidegger wie Sedlmayr, Friedell oder auch Spengler zu den Zivilisationsskeptikern gezählt werden. Diese Aspekte des heidegger’schen Denkens ortet die romanische Rezeption vor allem im  zum Teil fragmentarischen Spätwerk Heideggers. Allerdings lässt sich dieser Lesart zufolge das Werk nicht in Heidegger I und Heidegger II teilen. Auch die späten Arbeiten sind ideell von Heideggers opus magnum inspiriert und erweitern bzw. konkretisieren die Schlussfolgerungen daraus.