Baum, Wilhelm: Im Schatten des Ersten Weltkriegs

Baum, Wilhelm: Im Schatten des Ersten WeltkriegsDer Völkermord an den Armeniern. Die Mitverantwortung Deutschlands 2015, 288 S
 
Art.Nr.:247
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Nach den ersten freien Wahlen in der osmanischen Türkei ergriffen die drei jungtürkischen Revolutionäre Talaat Pascha, Enver Pascha und Cemal Pascha 1908 die Macht im Staate, setzten Abdul Hamid II. ab und regierten bis zum Ende des 1. Weltkrieges; 1914 verbündeten sie sich mit dem Deutschen Reich und nahmen an seiner Seite am 1. Weltkrieg teil. Besonders Kaiser Wilhelm II. forcierte das Bündnis mit der Türkei, die er dreimal besuchte; Hinweise auf die Verfolgung der Armenier – über die er informiert war - interessierten ihn nicht. Der evangelische Pfarrer Johannes Lepsius unterstützte bereits vor dem Krieg mit seinem Hilfswerk die Armenier. Der Botschafter Wolff-Metternich, der die Armeniermassaker kritisierte, wurde abberufen. Deutsche Generäle wie Liman von Sanders, Bronsart von Schellendorf, Colmar von der Goltz und Hans von Seeckt waren an diversen Aktionen beteiligt und befehligten türkische Armeekorps und nahmen auch an Aktionen gegen die Armenier teil. Die Armenier wurden von den Türken als angebliche Kolloborateure der Russen aus dem ganzen Reichsgebiet in die syrische Wüste nach Deir-es-Sor getrieben und dort getötet; insgesamt dürften über eineinhalb Millionen Armenier von türkischen und kurdischen Milizen ermordet worden sein. Die Armenier waren jedoch nicht die einzigen Opfer der Türken; auch syrische Christen und Griechen wurden ermordet und vertrieben. Durch die zahlreichen Konsulate, die Botschaften und die von Privatpersonen und Ordensleute erhalten Informationen waren die mit den Türken verbündeten Regierungen in Deutschland und Österreich-Ungarn genauestens über die Massaker informiert und griffen aus bündnistaktischen Überlegungen nicht ein. – Auch Personen aus der Schweiz (Jakob Künzler), den USA (Henry Morgenthau) und Frankreich hinterließen Aufzeichnungen über die Massaker, ebenso Überlebende  wie der spätere Bischof Krikoris Balakian. Nach der Niederlage der Jungtürken musste die Türkei nach der Flucht der Diktatoren Enver, Talaat und Cemal im Frieden von Sèvres (1920) die maßgeblich vom amerikanischen Präsidenten Wilson gezogenen Grenzen anerkennen. Der Genozid der Türken an den Armeniern wurde von vielen Staaten anerkannt; nur die Türkei verweigert bis heute die Anerkennung der Massenmorde und der Zerstörungen der Kirchen und Kunststätten - ein frühes Beispiel einer "ethnischen Säuberung". Das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn duldeten die Massaker als militärische Verbündete im 1. Weltkrieg - was prominente Intellektuelle nicht davon abhielt, gegen diese Politik zu protestieren. Die Ermordung von Talaat 1921 durch Solomon Teglirian in Berlin – bei dem Johannes Lepsius, Liman von Sanders u. Krikoris Balakian aussagte, erregte durch den Freispruch des Attentäters große Aufregung. Obwohl in der Türkei selbst etliche Verantwortliche für die Armeniermorde vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt wurden, leugnen die offiziellen Stellen in der türkischen Regierung und Gesellschaft bis heute den Genozid, der weltweit Anerkennung fand.

 

Bücher des Autors zu diesem Thema im Kitab-Verlag:

Die Türkei und ihre christlichen Minderheiten, 208 S., 2005, ISBN 3-902005-56-4

Die christlichen Minderheiten der Türkei in den Pariser Friedensverhandlungen (1919-1923). Kemal Atatürk und der Genozid, ISBN 978-3-902005-97-7, 2007