Kunstwerke sind Stationen auf dem Passionsweg zu einem verlorenen Paradiese

Kunstwerke sind Stationen auf dem Passionsweg zu einem verlorenen ParadieseNötscher Kreis. Hg. v. Wilhelm Baum. Unter Mitarbeit von Monika Thyssen-Mahringer u. Heimo Kuchling
 
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Der „Nötscher Kreis“ der Maler Isepp, Kolig, Wiegele u. Mahringer verfügte über kein eigenes Programm: Nötsch im Gailtal war zeitweise Domizil der Maler, deren Kunst bisher fast ausschließlich aus kunsthistorischer Perspektive untersucht wurde; im umfassenden Werk von Lachnit (1998) fehlt Anton Mahringer vollständig. In der vorliegenden Dokumentation soll zunächst die ästhetische Theorie Anton Koligs anhand der von ihm erhaltenen Aphorismen dargestellt werden. Er verkehrte wie Isepp in den Wiener Salons von Eugenie Schwarzwald und Berta Zuckerkandl; hier erhielt er auch die Aufträge zu den großen Porträts. Die Auseinandersetzungen um die Klagenfurter Landhausfresken werden anhand der Korrespondenzen mit Hans Steinacher, Mathias Zeinitzer und Otto Demus dargestellt; sie machen die politische Dimension des Kunstskandals am Vorabend der nationalsozialistischen Machtergreifung deutlich. Franz Wiegele wurde bisher eher nur kunsthistorisch als Porträtist gesehen. Seine Beziehung zu Hermann Hesse war bisher unbekannt; die Korrespondenz mit Hugo von Hofmannsthal und Josef Hoffmann zeigen seine Integration im Wiener Kulturkreis am Vorabend des 1. Weltkrieges. Sebastian Isepp gehörte dem Kreis um den Komponisten Egon Wellesz an. Er begleitete Hofmannsthal auf mehreren Italienreisen und diente ihm als Modell im Theaterstück „Der Schwierige“. Die Korrespondenz Koligs mit Alfred Kubin, Otto Demus, Michael Guttenbrunner, Werner Berg, Edith v. Kleinmayr und Viktor Matejka – der Kolig nach 1945 Aufträge beim Wiederaufbau des Stefansdomes zu verschaffen versuchte – verdeutlichen die schwierige Situation der Künstler in Österreich. Anton Mahringer stammte aus dem Stuttgarter Schülerkreis Koligs, entwickelte sich jedoch bald als eigenständiger Landschaftsmaler.

 

"Die hier vorliegende Publikation über den „Nötscher Kreis“ und seine „Schule“, deren Schwerpunkt die Briefe ihrer Vertreter und ihr weitreichendes Echo in geistigen Kreisen sind, entreißen sie einem drohenden Vergessen. Die Briefe geben einen umfassenden Einblick in die Schwierigkeiten, in die äußeren und inneren Höhen und Tiefen, denen die Maler, die Wesentliches leisteten und deren werk deshalb Überzeugungskraft hat, ausgesetzt waren. Unter der Tünche der Provinz und ein es munteren Jägertums, eines „Salonlöwen“ und Bohemientums lebt eine Kraft, ein Ideengebäude, eine Begeisterung und ein Arbeitswille, die gerade heute beispielgebend sind. Sie künden von einem steten Kampf um Anerkennung. Schwere Wirtschaftskrisen, Krieg und die Wirren der Nachkriegszeit kommen nur indirekt zur Sprache. Ideen von einer Kunst, die das „Schöne“ des Außen verherrlicht und das Innere des Menschen transzendiert, stellen die Alltagssorgen in den Schatten. Hier wird der Auf- und Niedergang eines einst bedeutenden, weil ein künstlerisches Zentrum schaffenden Geistes, einer überaus problematischen Welt sichtbar."
Heimo Kuchling

 

„Was Kärntens Malerfürsten voneinander hielten, wie sie miteinander umgingen oder was sie politisch und künstlerisch bewegte, ist in einem Buch zu erfahren, das der Klagenfurter Historiker Wilhelm Baum kommenden Samstag im Museum des Nötscher Kreises präsentieren wird. Unter Mitarbeit von Bergs Schwiegersohn Heimo Kuchling und Monika-Thyssen-Mahringer entstand die bisher umfangreichste Publikation zur Klassischen Moderne in Kärnten. …Faszinierende Einblicke in die Sozialgeschichte des Nötscher Kreises gewähren auch Briefwechsel mit Clemens Holzmeister, Stefan Zweig, Alfred Kubin oder Alfred Brendel. …Das von Wilhelm Baum enthüllte Beziehungsgeflecht umfasst auch den nach England emigrierten Sebastian Isepp oder den in Kärnten gebliebenen Anton Mahringer. Für Freunde der Kunst des 20. Jahrhunderts ist er eine unerschöpfliche Fundgrube und zugleich ein Appetitanreger für die bevorstehende Landesschau „Eremiten – Kosmopoliten“.

Erwin Hirtenfelder, Kleine Zeitung v. 14.4.2004

 

„Die Briefe und Dokumente zum Nötscher Kreis geben einen Einblick in die Schwierigkeiten, in die äußeren und inneren Höhen und Tiefen, denen die Maler, die Wesentliches geleistet  und deren Werk deshalb Überzeugungskraft hat, ausgesetzt waren, sagt Wilhelm Baum. Unter dem Titel „Kunstwerke sind Stationen auf dem Passionsweg zu einem verlorenen Paradies“ hat Baum unter Mitarbeit von Monika Thyssen-Mahringer und Heimo Kuchling eine faszinierende Dokumentation über die „Nötscher“ herausgebracht. …Der Briefwechsel Isepps ist verloren, von Wiegeles und Mahringers Korrespondenz war bisher so gut wie nichts veröffentlicht.“

Lisa Kassin in: Kärntner Tageszeitung 10.4.2004, SW. 19

 

„Kunstwerke sind Stationen auf dem Passionsweg zu einem verlorenen Paradies“: ein Kolig-Zitat als Titel, der „Kunstwerke“ hervorhebt. Deren Reproduktionen sind „Kommentar“ zu vielem bisher unveröffentlichten Schriftlichen aus dem Nötscher Kreis. ..Das Titel-„Paradies“ bezieht sich auf Paris: da waren Kolig und Wiegele von 1912 bis 1914, bevor Wiegele in den Krieg und algerische Gefangenschaft kam, die er mit Hilfe heimischer Lebensmittel körperlich und des Malmaterials künstlerisch überlebte. Und zu allem „Überfluss“ dort entstandene Bilder und Fotos mit heimbrachte, wie das Buch beweist.

Es beweist auch unbekannte bis vergessene Tatsachen bzw. rückt „geschönte“ zurecht. Etwa die idealisierte Vorstellung vom echten Nötscher Freundeskreis. …Anton Mahringers Dokumente erhalten hier ebenfalls genügend Raum – und das im „kitab“-Verlag erschienene Buch hoffentlich jene Aufmerksamkeit, die es verdient.

Frieda Stanz in Kronen-Zeitung v. 20.4.2004, S. 44

 

Nötsch: Wie wird man in Villach aufgenommen? Die Korrespondenz der Maler des "Nötscher Kreises".

 

Lieber Kolig, heute möchte ich, wie ich sonst immer vor dem Krieg, noch einige Tage nach Villach kommen, um von dort aus in den umliegenden Seen zu baden und möchte gern dies mit der Eröffnung der Klagenfurter Ausstellung verbinden, wenn ich wüsste, wie man in Villach, z.B. im Hotel Moser aufgenommen wird. Vielleicht könnten Sie mir einige Zeilen schreiben, für die ich Ihnen sehr danken möchte. Mit herzlichen Grüßen Ihr Egon Schiele." Diesen Brief schrieb Schiele 1918 an Anton Kolig, später gingen die beiden Künstler in ein vertrautes Du über.

Wilhelm Baum hat im vorliegenden Band den erhaltenen Briefwechsel der unter dem Namen "Nötscher Kreis" bekannten Maler, Sebastian Isepp, Anton Kolig, Franz Wiegele und Anton Mahringer, publiziert. Ihre Beziehungen untereinander waren nicht friktionsfrei, auch verfolgten sie kein einheitliches künstlerisches Programm. Ihre Verbindung bestand - neben den familiären Banden zwischen Kolig und Wiegele - in ihren zeitweiligen Aufenthalten in dem Kärntner Ort Nötsch am Eingang des Gailtales.

Die Verbindung der Maler zur Wiener Kunstszene, im Bemühen um Aufträge, wird ebenso umfassend dokumentiert wie die ästhetischen Theorien Anton Koligs anhand der von ihm erhaltenen Aphorismen. Die Korrespondenz Franz Wiegeles zeigt erstmals seine Beziehung zu Hermann Hesse. Seine Integration im Wiener Kulturkreis wird weiters durch die Korrespondenz mit Hugo von Hofmannsthal und Josef Hoffmann am Vorabend des Ersten Weltkrieges deutlich.

Die Auseinandersetzungen um die Klagenfurter Landhausfresken zeigten die politische Dimension des Kunstskandals im Vorfeld der nationalsozialistischen Machtergreifung. Wenngleich Wilhelm Baum in seinem Einführungstext auf die problematische Stellung der Nötscher Maler während der NS-Zeit eingeht, so springen die Ausführungen von einem Ereignis zum anderen, allzu detailliert wird auf die Familienverhältnisse anderer Protagonisten, die als Mäzene, Korrespondenten oder Galeristen für die Maler eine Rolle spielten, eingegangen.
Von Silvie Aigner (Spectrum. Die Presse) 18.09.2004


"Kunstwerke sind Stationen auf dem Passionsweg zu einem verlorenen Paradies".Briefe und Dokumente zum "Nötscher Kreis",hrsg. von Wilhelm Baum unter Mitarbeit von Heimo Kuchling und Monika Thyssen-Mahringer

750 Briefe und Dokumente zum Nötscher Kreis, einer Malervereinigung mit Kunstansprüchen jenseits des Mainstreams. (KB)

Hauptsache Farbe: Der "Nötscher Kreis" war eine lose Vereinigung der aus Nötsch (im zweisprachigen unteren Gailtal) stammenden Maler Sebastian Isepp und Franz Wiegele mit dem aus Mähren zugezogenen Anton Kolig, welcher es - bei aller Unterschiedlichkeit der künstlerischen Auffassungen - um ein hochdifferenziertes Einsetzen und Behandeln der Farbe ging. Diese Maler trennten sich nach Studien in Wien ganz bewusst von der "Akademie der bildenden Künste", vertreten durch Egon Schiele, Oskar Kokoschka und Anton Faistauer, um ab 1909 eigene Wege zu gehen.  Die vorliegende Dokumentation enthält den - bislang unveröffentlichten - Hauptteil des erhaltenen Briefwechsels der Nötscher Maler Sebastian Isepp, Anton Kolig, Franz Wiegele und Anton Mahringer. Diese - fast zu akribisch aufbereiteten - Zeugnisse sind vervollständigt mit weiteren amtlichen und privaten Archivalien und geben einen Einblick in den steten Kampf um Anerkennung, in einen ungebrochenen Arbeitswillen der beteiligten Maler und in die äußeren und inneren Schwierigkeiten, denen sie - unter der Tünche eines Bohemientums und der Provinz - ausgesetzt waren. Erfreulicherweise erfuhren die Maler des Nötscher Kreises postum eine Aufwertung ihres Ansehens durch die Sammeltätigkeit von Rudolf Leopold, in dessen Museum ihnen ein Saal gewidmet ist.

Beate Hennenberg www.rezensionen.at (Bibliotheksnachrichten)

 

Krone, 13. Mai 2004

Salzburger Nachrichten, 29. Mai 2004

Der Standard, 31. Juli 2004