Baum Wilhelm: Die christlichen Minderheiten der Türkei in den Pariser Friedensverhandlungen

Baum Wilhelm: Die christlichen Minderheiten der Türkei in den Pariser Friedensverhandlungen(1919-1923)
 
Art.Nr.:230
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Beim Zusammenbruch des Osmanischen Reiches und der Neuordnung der Verhältnisse im Orient spielten auch die Christen unter muslimischer Herrschaft eine zentrale Rolle, denen die elementaren Menschen- und Bürgerrechte bisher vorenthalten worden waren. Die Türkei unter Mustafa Kemal Pascha (Atatürk) distanzierte sich nie von den Verbrechen der „Jungtürken“ – insbesondere dem Genozid an über 1,5 Mill. ermordeten Armeniern und über eine Million ermordeter Griechen, Maroniten, Syrer, Chaldäer und Nestorianer. Dieser große Genozid wird bis heute von der türkischen Regierung geleugnet, die den Restminderheiten bis heute elementare Grundrechte vorenthält. Bei den Pariser Friedensverhandlungen konnten die Sieger lediglich die Existenz der Christen im Libanon in dem französischen Mandat absichern. Die von Präsident Wilson für ein freies Armenien festgesetzten Grenzen (Vertrag von Sèvres 1920) wurden nie Wirklichkeit; die Türken weigerte sich, Türkisch-Armenien und Trapezunt herzugeben und überfielen auch die Republik Armenien (Erewan), die die Existenz ihrer Bürger nur durch den Anschluss an die UdSSR sichern konnte. Nach der griechischen Landung an der Westküste Kleinasiens entwickelte sich der Krieg infolge innergriechischer Differenzen und der von Lenin unterstützten Türkei für die Griechen ungünstig; das Unternehmen endete mit der Zerstörung von Smyrna (1922). Nach dem Sturz des englischen Premiers Lloyd George konnten die Türken im Frieden von Lausanne (1923) die heutigen Staatsgrenzen behaupten. Die damals vertraglich zugesicherten Menschen- und Bürgerrechte für die christlichen Minderheiten wurden jedoch bis heute nicht einmal ansatzweise realisiert, sodass der Exodus der Minderheiten zu deren nahezu vollständigen Auflösung führte. Eine türkische „Vergangenheitsbewältigung“ erfolgte bis heute nicht.