Baum Wilhelm: Die Türkei und ihre christlichen Minderheiten

Baum Wilhelm: Die Türkei und ihre christlichen MinderheitenGeschichte - Völkermord - Gegenwart
 
Art.Nr.:150
Lieferzeit:

 
inkl. MwSt (10%)

In den Warenkorb

Konstantinopel (heute Istanbul), die christliche Gründung an der Grenze zwischen Europa und Asien war über ein Jahrtausend hindurch als das „neue Rom“ der Kristallisationspunkt der Christen des Orients, zu denen neben der griechisch-orthodoxen Kirche im Byzantinischen Reich auch die Armenier, Georgier und die syrischen Christen gehörten. Seit der Eroberung durch die Türken lebten die Christen als Minderheiten unter der Herrschaft des Islam. Ihre Stellung wurde bis in die Gegenwart durch interne Spannungen geschwächt. Der Emanzipationsprozess der unter türkischer Herrschaft stehenden Griechen, Serben, Bulgaren, Armenier und Georgier führte dazu, dass der „kranke Mann am Bosporus“ im 19. Jahrhundert den größten Teil seiner früheren Eroberungen verlor. Die jungtürkische Revolution von 1908 ließ ein radikal-nationalistisches und rassistisches Modell „ethnischer Säuberungen“ entstehen, das  im Ersten Weltkrieg im Völkermord an den Christen gipfelte und Hitler als Vorbild für den Holocaust diente. Alle am Weltkrieg beteiligten Mächte waren über die Massaker informiert. Das Fortwirken jungtürkischer Ideen in der Ära Atatürk hat in der Türkei bis heute eine kritische Aufarbeitung der Vergangenheit verhindert.

 

Aus dem Inhalt:
Die muslimischen Eroberungen Kleinasiens. S. 7./ Das Dhimmi-System und der Dschihad. S. 11./ 3. Die Türken. S. 14./ Die letzten Phase des byzantinischen Reiches. S. 20./ Die Christen im türkischen Millet-System. S. 23./ Die Christen in den Reisebeschreibungen des 17. und 18. Jahrhunderts. S. 39./ Die Situation der Christen in der Tanzimat-Ära ab 1839. S. 42./ Die Massaker an den Christen im Ersten Weltkrieg. S. 74./ Die Reaktion der westlichen Welt. S. 112/ Die Deportationen der Griechen bis zum Kriegsende. S. 126/ Die Lage der Christen in der Türkei am Ende des Ersten Weltkrieges (1917-1918). S. 134/ Der Friedensvertrag von Sèvres (1920). S 149./ Der Sieg der Kemalisten (1920-1922). Die Situation der Christen in der Türkei bis zum zypernkrieg (1923-1974). S. 174./ Vom Zypern-Konflikt bis zur Situation der Christen in der Türkei heute. S. 183.

 

Aus dem Vorwort des Autors:
"(...) In diesem Buch geht es um eine kritische Betrachtung einer bisher unaufgearbeiteten blutigen Geschichte von Kampf, Versklavung, Menschenraub und Deportation. Auch in der europäischen Geschichte hat es religiöse Verfolgungen, Unterdrückungen, Massaker und den Holocaust gegeben. In Europa wurden und werden diese Belastungen der Vergangenheit jedoch von vielen Institutionen und einer kritischen Geschichtsschreibung reflektiert. Hier fehlte es auch nicht an Neubewertungen, wie sie etwa die katholische Kirche im 2. Vatikanischen Konzil und die Christen im - immer noch unzureichenden - ökumenischen Dialog vorgenommen haben oder wie sie in Deklarationen gegenüber dem Judentum von verschiedenen Seiten zum Ausdruck gekommen sind.

Dieses Buch ist keine umfassende Geschichte des Christentums in der Türkei; viele Quellen gingen verloren, sind der Forschung nicht zugänglich oder nicht in westliche Sprachen übersetzt. Es war daher nicht möglich, die leidvollen Beziehungen der Vergangenheit vollständig darzustellen; es muss genügen, einen Einblick in die unbearbeiteten Kapitel von Verfolgung und völkermord zu gewinnen, die allen Beteiligten am europäischen Einigungsprozess bewusst gemacht werden sollen. Es soll zur Refelxion verleiten, wie in einem Europa der Zukunft mit der Vergangenheit umgegangen werden soll und welche Bereiche noch unaufgearbeitet sind.

Die Vernichtung des kleinasiatischen Christentums durch die Türken war auch deshalb möglich, weil die Christen untereinander zerstritten waren und Katholiken, Orthodoxe, Armenier und syrische Christen je eigene Interessen verfolgten und gelegenheit auch bereit waren, mit Muslimen gegen die anderen Christen zusammen zu arbeiten. (...)"


Wilhelm Baum, geb. 1948 in Düsseldorf, Historiker und Theologe, verfasste mehrere Bücher zur Geschichte des christlichen Orients.