Winterthur Johann von : Chronik nach der Edition von Friedrich Baethgen

Ohne Abb.übers. v. Raimund Senoner, kommentiert v. Wilhelm Baum
 
Art.Nr.:15
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Die um 1348 abgeschlossene Chronik des Franziskaners Johann von Winterthur vermittelt einen guten Einblick in das Geschehen in Deutschland in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts – eine bewegte Zeit, in der die Konflikte zwischen dem deutschen Königtum und der päpstlichen Kurie ebenso die Gemüter beschäftigte wie der „Armutsstreit“ zwischen dem verweltlichten Papsttum von Avignon und den Franziskanerspiritualen um William von Ockham; Männer wie Michael von Cesena, die das Armutsideal verteidigten, werden sehr gelobt. Der habsburgtreue Minorit schildert die Persönlichkeit König Rudolfs I. und überliefert eine Menge Anekdoten, die die Popularität des ersten Königs nach dem Interregnum und die Begründung der habsburgischen Dynastie in Österreich illustrieren; von der Schlacht bei Morgarten (1315) bietet er den besten Bericht unter allen Zeitgenossen. Die Chronik gibt Stimmungen im Volk wieder, vor allem aus dem Bereich Schwabens und der damals noch habsburgischen Nord- und Ostschweiz. Als Angehöriger des auch in der Mission aktiven Ordens konnte er auf das ordensinterne Informationsnetz zurückgreifen und berichtete etwa auch von der Reise seines Mitbruders Odorico von Pordenone nach Indien und an den Hof des Großkhans nach China. Aus der Nähe kannte er auch langwierige Konflikte wie etwa um die zweite Ehe der Tiroler Erbgräfin Margarete Maultasch mit Ludwig dem Brandenburger, dem Sohn Kaiser Ludwigs des Bayern, der dadurch die Kontrolle über die Tiroler Alpen für etwaige Italienzüge gewann. Trotz seiner prinzipiellen Treue gegenüber dem Papsttum erwähnt er ausdrücklich, dass das vom Papst über Deutschland bzw. den Machtbereich des Kaisers verhängte Interdikt nicht beachtet wurde; auch die Minoritenkonvente „sangen“ weiterhin. Johann hielt sich vor allem in den Franziskanerkonventen zu Schaffhausen, Basel, Villingen, Lindau und Zürich auf – wo er das Autograph seiner Chronik hinterließ. Er erzählte, was er von der Ordensgeschichte oder Erzählungen von Zeitgenossen wusste; lediglich für das schematisch-chronologische Gerüst zog er die bekannten Minoritenchroniken heran; Quellenstudien dürfte er kaum betrieben haben. In den 1340er Jahren arbeitete er die Chronik bis 1339 aus, 1343 setzte er sie bis zur Gegenwart fort und fügte noch weitere Notizen bis 1347 an. Kaiser Ludwig und Papst Johannes XXII. werden heftig kritisiert – ein Beweis für die Unabhängigkeit des Urteils ges Geschichtsschreibers.